Lebensversicherungen: Allianz hält der Branche den Spiegel vor

Lebensversicherungen
Allianz hält der Branche den Spiegel vor

In der Diskussion um die unter Druck geratenen Lebensversicherer beruhigt die Allianz – allerdings nur die eigenen Kunden. Kleineren Anbietern bietet sich der Versicherungsriese als Dienstleister an.
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Düsseldorf/MünchenDie deutschen Lebensversicherer stehen unter Druck. Anhaltend niedrige Zinsen machen der Branche zu schaffen. Vielen Kunden garantieren die Versicherer bei Altverträgen aber bis zu vier Prozent Zinsen. Geld, was die Konzerne mit Anlagen derzeit nur äußerst schwer erwirtschaften können. Bei Neukunden beträgt die Mindestverzinsung auf den angelegten Teil des Beitrags dagegen nur noch 1,75 Prozent.

Der Druck auf die Institute ist so hoch, dass sich sogar die Bundesregierung sorgt. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt, wird eine Schieflage von Lebensversicherern nicht ausgeschlossen. Europas größter Versicherer jedoch reagiert entspannt auf die Diskussion.

Die Allianz hält es aber für „wichtig, dass man in der Öffentlichkeit über das Thema spricht“, sagte Finanzvorstand Oliver Bäte bei der Vorlage des Quartalsberichts am Freitag in München. Denn mit Niedrigzinsen zahlten die Sparer die Sanierung der Staatshaushalte und Banken. „In der Lebensversicherung gibt es viele Unternehmen, die sehr solide dastehen“, beruhigte Bäte – das gelte insbesondere für die Allianz.

„Aber es gibt auch in allen Branchen Unternehmen, die nicht so gut wirtschaften“, warnte der Vorstand zugleich. Es sei sehr wichtig, dass in den Häusern die entsprechenden Maßnahmen zur Sicherung der Zinsgarantien getroffen würden, so Bäte. Die Allianz zahle aktuell eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Kunden auch in den nächsten Jahren attraktive Überschussbeteiligungen anbieten können“, sagte Bäte.

Die Äußerungen werden Allianz-Versicherte wahrscheinlich beruhigen. Bei Kunden anderer Lebensversicherer dürfte die Verunsicherung jedoch nicht gerade abnehmen. Doch die Allianz übernehme auch als Dienstleister die Verwaltung von Anlagegeldern kleinerer Versicherer, betonte Gäte.

Der Finanzvorstand bekräftigte trotz der Milliardenschäden des US-Hurrikans „Sandy“ die kürzlich erhöhte Gewinnprognose. Die Belastung der Allianz sei überschaubar, weil ab einer bestimmten Obergrenze Rückversicherungen die weiteren Leistungen übernehmen. „Selbst wenn wir die Obergrenze einrechnen, sind wir überzeugt, den erhöhten Ausblick zu halten“, sagte Bäte.

Die Lebens- und Krankenversicherung erreichte bei stabilem Umsatz zum dritten Mal in Folge ein Ergebnis über 800 Millionen Euro - „sehr, sehr gut“, sagte Bäte. In Deutschland sei die Nachfrage nach kurzfristigen Lebensversicherungen als Parkdepot für Gelder zurückgegangen, das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen sei stabil.

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Drittes starkes Quartal in Folge

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  • @gregorius007

    Ich würde mir wünschen, für jeden sinnlosen Artikel in den Kommentierungen von FTD,Handelblatt, WiWo & Co. €uro 3-5 zu bekommen, dann würde ich täglich wohl nur noch Stress haben, das viele Geld möglichst ertragreich und sinnvoll anzulegen.

    Wenn ich mich recht erinnere entstammt das VersicherungsAufsichtsGesetz etwa um 1900 und die aktuelle Version aus den Anfängen des neuen Jahrtausend.

    Es ist ein Gesetz welches die Beaufsichtigung aller Versicherungsunternehmen regelt und dem Schutze der Versichertengemeinschaft dient.

    Es ist schön, dass Sie einzelne Begriffe daraus lesen und zitieren, Sie sollten aber auch Zusammenhänge erkenne und verstehen lernen, bevor Sie Weltuntergangsszenarien verbreiten.

    Sollten die Mayas mit ihrer Prognose, zum Beginn der Unisextarife -die Welt untergehen zu lassen- Recht behalten und am 22.12.2012 alle Begünstigten der gesamten Versichertengemeinschaft ihre zugesagten Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen wollen, gebe ich Ihnen Recht, könnte die Assekuranz Schwierigkeiten bei ihren Auszahlungen bekommen.

    Ich habe allerdings bereits jetzt um ein Vielfaches mehr Angst, dass sämtliche wissenden und unwissenden Kommentatoren bei der nächsten Bundes- wie auch Landtagswahl zur Urne gehen und dort beabsichtigen, i h r e Stimme abzugeben.

    In diesem Sinne eine erfolgreiche Woche

    Ihr Versicherungsmaklerbureau

  • schon mal was von:
    VAG § 89 Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen
    gehört? das ist ja auch eine nette nummer!

  • Wo er Recht hat, hat er Recht. Auf Druck der Assekuranz, ist diese Regelung zum 31.10.2012 in Kraft getreten. Das Kabinett hat dies im März 2012 verabschiedet. In Niedrigzinsphasen dürfen also Versicherer künftig einen "Sicherugsbedarf" abziehen ! Wer zahlt, natürlich die Vesicherten, wie immer.

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