Die Gerüchteküche um die US-Bank Lehman Brothers brodelt: Das Institut plant offenbar einen kompletten oder teilweisen Verkauf ihres Vermögensverwaltungsgeschäfts. Bereits am Wochenende war von einer andern möglichen milliardenschweren Trennung berichtet worden. Schon bald könnte das Geldhaus ein neues Minus vermelden.
Lehman hat seit Jahresbeginn bereits rund zwölf Mrd. Dollar an frischem Kapital eingesammelt. Foto: ap
HB NEW YORK. Lehman habe bei verschiedenen potenziellen Käufern einschließlich mehrerer Finanzinvestoren für die Sparte geworben, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.
Analysten und Bankern zufolge könnte sich die Bank von dem Geschäftsbereich um die Tochter Neuberger Berman trennen, um seine Kapitalbasis aufzubessern. Der Wert der Sparte wird auf rund acht Mrd. Dollar geschätzt.
Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat Lehman detaillierte Finanzinformationen über den Geschäftsbereich in Umlauf gebracht. Zu den Adressaten gehörten die Finanzinvestoren Carlyle Group, Hellman & Friedman und General Atlantic, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider. Auch Blackstone habe Interesse angemeldet.
Unklar war zunächst, ob Lehman sein gesamtes Vermögensverwaltungsgeschäft oder nur Teile davon verkaufen will. Das komplette Paket könnte nach verschiedenen Einschätzungen wegen seiner Größe schwer zu platzieren sein. Einem weiteren Insider zufolge prüft die Bank verschiedene Optionen, darunter den Verkauf einer Beteiligung an dem Geschäftsbereich. Ziel sei es, das Vorgehen bis zur Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal zu klären, die Lehman üblicherweise Mitte September veröffentlicht.
Die „New York Times“ berichtete, Lehman biete Interessenten in einem Schreiben einen Teil- oder Komplettverkauf an, ermutige sie aber, ein Angebot für den gesamten Geschäftsbereich vorzulegen. Zu den Adressaten gehörten auch Kohlberg, Kravis & Roberts, J.C. Flowers sowie Apollo Management.
Bereits am Wochenende hatte die „Financial Times“ berichtet, das Institut plane den Verkauf ihrer 40 Mrd. Dollar schweren Vermögenswerte im Bereich Geschäftsimmobilien. Lehman Brothers wolle diese entweder im Paket oder in Teilen abstoßen. Allerdings klaffe eine Lücke zwischen den Preisvorstellungen der Bank und der möglichen Käufer, berichtete das Blatt unter Berufung auf Insider.
Lehman hat seit Jahresbeginn bereits rund zwölf Mrd. Dollar an frischem Kapital eingesammelt. In Presseberichten war zuletzt von einem bevorstehenden Milliardenverlust die Rede.
Den Angaben zufolge erwarten einige Analysten für das laufende dritte Geschäftsquartal ein neuerliches Minus von 1,8 Mrd. Dollar (1,2 Mrd Euro) oder mehr, berichtete das „Wall Street Journal“ am Montag. Lehman Brothers hatte bereits im vergangenen Geschäftsquartal einen Verlust von 2,8 Mrd. Dollar verbucht. Die Zahlen für das Ende August auslaufende dritte Geschäftsquartal legt Lehman Brothers gewöhnlich Mitte September vor. Angesichts der Lage wird an den Märkten auch über einen kurzfristig früheren Termin spekuliert.

