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19.09.2008 
Finanzkrise

Lehman-Pleite: Womit Landesbanken rechnen

Die Krise an den Finanzmärkten hat auch die Landesbanken auf breiter Front erwischt. Nach Angaben aus Branchenkreisen beläuft sich allein die Nettobelastung aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro. Einige Institute bezifferten jetzt die erwarteten Belastungen genauer.

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten den Ausblick für das LBBW-Rating auf „negativ“ von „stabil“. Foto: ap Lupe

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten den Ausblick für das LBBW-Rating auf „negativ“ von „stabil“. Foto: ap

HB FRANKFURT. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bekommt die Pleite der US-Bank Lehman Brothers empfindlich zu spüren. "Wir gehen jetzt davon aus, dass unser Ergebnis mit einem Betrag im unteren dreistelligen Millionenbereich belastet wird", sagte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski den "Stuttgarter Nachrichten". "Genau können wir das heute noch nicht fixieren." Der Verlust sei angesichts der finanziellen Stärke der LBBW aber verkraftbar. "Wir haben im LBBW-Konzern noch nie so viel Liquidität gehabt wie in diesen Tagen", sagte er der Zeitung.

Jaschinski hatte diese Woche die Gewinnprognose der LBBW für dieses Jahr zurückgenommen. Auch die HSH Nordbank geht angesichts der jüngsten Zuspitzung der Finanzkrise nicht mehr davon aus, ihr geplantes Ergebnis zu erreichen. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten den Ausblick für das LBBW-Rating auf "negativ" von "stabil". Das könnte auf längere Sicht zu einer Ratingsenkung führen. Die aktuelle Bonitätsnote von "A+/A-1" bestätigten die S&P-Analysten.

Lehman-Pleite trifft Landesbanken hart

Auch die staatliche NRW-Bank erwartet Belastungen aus der Lehman-Pleite. Die nordrhein-westfälische Förderbank teilte am Freitag mit, sie habe "in einem für eine Bank ihrer Größe normalen Rahmen auch in Produkte der US-Investmentbank Lehman Brothers investiert". Vor dem Hintergrund der aktuellen Turbulenzen auf den internationalen Kapitalmärkten könne dies zu einer "Belastung" führen. Diese werde aber in einem "unproblematischen Rahmen" liegen. Die NRW-SPD forderte umgehende Aufklärung. Bei den Lehman-Produkten handele es sich in erster Linie um Anleihen, sagte ein Sprecher der NRW-Bank. Zur Höhe eines möglichen Schadens wollte er sich nicht äußern. Das Fördergeschäft sei aber nicht tangiert, betonte das Institut.

Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 64,74 Prozent und die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 17,63 Prozent. Die Eigner haften für die Refinanzierung der Bank, die über öffentliche Garantien verfügt. Chef der Bank ist seit September 2008 Dietmar Binkowska. Sein Vorgänger Ulrich Schröder ist vor kurzem an die Spitze der staatlichen Förderbank KfW gewechselt. Die KfW war wegen einer Überweisung in einer Höhe von 350 Millionen Euro an Lehman am Tag des Insolvenzantrags der US-Investmentbank in die Kritik geraten. Zwei Vorstände wurden wegen des Vorfalls vom Dienst suspendiert.

Die NRW-SPD forderte den nordrhein-westfälischen Finanzminister Helmut Linssen (CDU) auf, Auskunft über mögliche Auswirkungen der "weltweiten Bankenpleiten" auf die landeseigene NRW-Bank zu geben. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu wissen, in welchem Umfang die NRW.Bank mit der Pleitebank geschäftlich verbunden war, und ob noch weitere Risiken auf die NRW.Bank zukommen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Gisela Walsken. Eine Sprecherin Linssens sagte, die NRW.Bank prüfe derzeit ihre Geschäftsbeziehungen zu Lehman. Wenn die Prüfung abgeschlossen sei, werde die Öffentlichkeit über die Folgen des Engagements informiert.

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