Libor-Klage: Namen von Barclays-Mitarbeitern veröffentlicht

Libor-Klage
Namen von Barclays-Mitarbeitern veröffentlicht

Ein britisches Gericht hat entschieden: Im Zuge einer Libor-Klage dürfen die Namen von 104 Barclays-Mitarbeitern veröffentlicht werden. Auf den Status einer global Investmentbank hat das aber keinen Einfluss, heißt es.
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London„Die Katze ist aus dem Sack“, erklärte Richter Julian Flaux, als er in dieser Woche den Antrag mehrerer Barclays-Mitarbeiter zurückwies. Im Zusammenhang mit einer Klage wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor wurden gleich mehrere Namen von Mitarbeitern der Bank öffentlich. Man müsse kein Genie sein, um herauszufinden, wer die Namen seien, sagte Flaux weiter. Unter den Betroffenen sind der frühere Vorstandschef Bob Diamond und Jerry Del Missier, ehemals Chief Operating Officer der Bank. Sie hatten vergeblich vor einem britischen Gericht versucht, die Bekanntgabe der Namen zu verhindern.

Genannt wurden ebenfalls Rich Ricci, Vorstandschef für Investmentbanking und Unternehmensgeschäft, der ehemalige Vorstandschef John Varley sowie Mark Dearlove, Leiter der Geldmarktabteilung und Chris Lucas, Group Finance Director bei der in London ansässigen Bank. Insgesamt hatten sich 104 Mitarbeiter Anonymität sichern wollen.

Klägerin in dem Ausgangsverfahren ist die britische Pflegeheimgruppe Guardian Care Homes aus Wolverhampton. Die Gesellschaft macht Barclays für Verluste verantwortlich, die sie mit einem an den Libor gekoppelten Zins-Swap erlitt. Der Libor-Satz war manipuliert, argumentiert Guardian.

Barclays wurde gerichtlich verpflichtet, Guardian die Namen und die E-Mails von Bankmitarbeitern zugänglich zu machen, die die Bank gegenüber britischen und amerikanischen Regulierungsbehörden in den Ermittlungen im Zusammenhang mit Manipulationen von Zinssätzen offengelegt hatte. Von den 104 genannten Barclays-Mitarbeitern seien nur 24 mit der Festsetzung des Libor befasst gewesen, erklärte Richter Flaux.

Weltweit ermitteln die Behörden gegen mehr als ein Dutzend Banken im Zusammenhang mit Manipulationen des Libor. Im Juni wurde Barclays mit einer Strafe von 290 Mio. Pfund (343 Mio. Euro) belegt, nachdem die Aufsichtsbehörden zu dem Schluss kamen, dass Händler der Bank versucht hatten, den Libor und andere Zinssätze für ihren eigenen Gewinn zu manipulieren. Im Zuge der Geldstrafe traten Diamond, Del Missier und Chairman Marcus Agius zurück.

Auf den Status der globalen Investmentbank hat aber weder dieser Personalwechsel, noch die neuen Sparpläne oder die Stellenstreichungen Einfluss. In der Sparte sollen im Asien-Geschäft der britischen Großbank Insidern zufolge bis zu 90 Jobs wegfallen. Insgesamt wird mit dem Abbau von global 2.000 Stellen im Investmentbanking gerechnet, wenn der neue Vorstandschef Antony Jenkins am 12. Februar seine Strategie vorstellt. Zwar zwinge die verschärfte Regulierung und die Wirtschaftsflaute die Banken zu einer Schrumpfkur und weiteren Kostensenkungen, sagte Jenkins dem TV-Sender CNBC am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Barclays werde aber weiterhin eine Universal-Bank mit einer großen Investmentsparte sein. Zum Umfang der Stellenstreichungen in Asien wollte er sich nicht äußern.

Die Zukunft des Investmentbankings dürfte die brisanteste Frage für Jenkins bei der Neuausrichtung sein. Denn die Sparte, zuletzt die Nummer acht in der Welt, trägt mehr als die Hälfte zum Gewinn des Instituts bei. Weltweit beschäftigt Barclays 23.000 Investmentbanker, davon etwa 3.000 bis 4.000 in Asien.

Jenkins hatte im August die Nachfolge von Bob Diamond angetreten, der nach einem Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor seinen Hut nehmen musste. Er hat sich einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Die Bank soll sich nicht mehr so sehr auf kurzfristige Gewinne und stattdessen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren.

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