Libor-Skandal: Die teure Verzögerungstaktik der Deutschen Bank

Libor-Skandal
Die teure Verzögerungstaktik der Deutschen Bank

Es wäre eine spektakuläre Strafe: Im Skandal um Zinsmanipulationen steht die Deutsche Bank vor dem Abschluss eines milliardenschweren Vergleichs. Dass es so teuer wird, liegt auch an der Führungsspitze. Ein Kommentar.
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FrankfurtEs verspricht teuer, spektakulär und für die Verantwortlichen auch peinlich zu werden: Laut Medienberichten steht die Deutsche Bank kurz vor einer Rekordstrafe von mehr als 1,5 Milliarden Dollar im Skandal um die Manipulation wichtiger Referenzzinsen. Eine Einigung mit vier Behörden in den USA und Großbritannien könnte demnach schon in April bevorstehen.

Die Deutsche Bank wäre damit eine der letzten großen Banken weltweit, welche den Skandal über weitgehende Tricksereien und Absprachen bei der Festsetzung des sogenannten Libor-Zinssatzes hinter sich lassen würde. Ebenso wie bei Rivalen wie UBS und Barclays werden es sich die Behörden nicht nehmen lassen, aus der Einigung ein großes Spektakel zu veranstalten: Zu erwarten ist die Veröffentlichung ebenso peinlicher wie erschütternd dreister E-Mail- und Chat-Kommunikation zwischen Händlern der Deutschen Bank.

Doch der Schaden wird weit über die mediale Ausschlachtung der ordinären Sprache millionenschwerer Händler hinausgehen. Die Deutsche Bank wird voraussichtlich die höchste Strafe aller Banken im Libor-Skandal bezahlen müssen, und ein eventuell erzwungenes Schuldeingeständnis der englischen Tochter wäre ebenfalls eine die bisherigen Bestrafungen übertreffende harte Maßnahme mit noch unbekannten Folgen für das Geschäft der Bank.

Damit rächt sich wieder einmal die Verzögerungstaktik der Führungsspitze: Während insbesondere UBS und Barclays von Anfang an mit den Behörden kooperierten, drängt sich der Eindruck auf, dass die Deutsche Bank bei diesem und anderen Rechtsstreitigkeiten stets auf Zeit gespielt hat. Die Folge: Die Behörden gehen nun noch härter gegen das Institut vor, zumal sich die Strafen für Rechtsfälle in den vergangenen Jahren generell erhöht haben.

Für die Deutsche Bank werden die kommenden Wochen und Monate damit zu Schicksalszeiten. Denn ebenfalls im April soll eine vollständig neue Strategie verkündet werden. Und Ende des Monats steht auch noch der Prozessauftakt gegen Co-Chef Jürgen Fitschen wegen Beihilfe zum versuchten Prozessbetrug an.

Die Bereinigung weiterer Rechtsfälle – wie möglicher Verletzungen von US-Sanktionen sowie angeblicher Devisenmanipulationen – könnten in den kommenden Monaten folgen. Nach mehreren verschenkten Jahren macht die Deutsche Bank damit endlich Ernst mit der Bereinigung ihrer strategischen und rechtlichen Altlasten. Das ist die Chance für einen wahren Neuanfang.

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen.
Daniel Schäfer
Handelsblatt / Leiter Finanzzeitung

Kommentare zu " Libor-Skandal: Die teure Verzögerungstaktik der Deutschen Bank"

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  • @Hr. Bitschnau
    Ich würde Ihnen empfehlen sich ein wenig detaillierter mit der Thematik auseinander zu setzen. Offiziell hat die deutsche Bank keine öffentlichen Gelder/Staatsgarantien beansprucht, inoffiziell aber sehr wohl. Sie hatte sehr viele Geschäfte mit der HRE laufen und Ackermann selbst hat darauf gepocht, dass man die Bank (und am besten auch alle anderen offiziell Notleidenden) rettet und eine Bad Bank installiert. So wurde die HRE "gerettet" und damit eigentlich auch die Deutsche Bank, sonst hätte sie nach Schätzungen zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge abschreiben dürfen.

    Zudem wieso sollten amerikanische Banken an die EU zahlen? Keine Sorge, lesen Sie mal NYT und Co. Die US Banken haben ziemlich auf die Finger bekommen und obwohl ich es schade finde, dass man keine (oder kaum welche) politischen, sondern nur finanzielle und rechtliche Konsequenzen in US gezogen hat, aber da sind schon sehr hohe Strafen ausgesprochen worden und zumindest sind (auch wenn es vermutlich nur Bauernopfer waren) einige Köpfe gerollt im Gegenzug zu Europa und besonders Deutschland wo man die Banken und deren Chefetage immer noch hofiert als wären sie Götter selbst. Nicht nur das, man hat sich genau die Leute die den Dreck erst mit Deregulierung und Co. (mit)verursacht haben auch noch als Berater für die Krise geholt (und aus einer Finanz-, einfach mal eine Staatsschuldenkrise gemacht). Was hier alles im Zuge der Bankenrettung an Faktenverdrehung, Manipulation, Lügen und sonstwas abgelaufen ist und wie wenig Menschen das leider durchblicken und die falsche Sau durchs Dorf treiben, ist wirklich traurig.

  • Leider muß festgestellt werden, daß der angekündigte Kulturwandel offensichtlich nicht stattgefunden hat. Ihr früheres Standing hat die Deutsche Bank seit langem eingebüßt. Bedauerlich ist, daß der deutschen Industrie keine einheimische Bank von Weltgeltung mehr zur Verfügung steht, welche die globalen Interessen deutscher Unternehmen vertritt bzw. deren Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht werden kann.

  • Die Verzögerungstaktik der Deutsche Bank muss es heißen, nicht der Deutschen Bank (jaja, die deutsche Sprache). Die hier angesprochene Problematik des wirklich entstandenen (quantiativen) Schadens durch die Manipulation ist auch für Experten nicht zu lösen. Als großes internationales Institut (in Wahrheit ist sie noch nicht mal unter den Top 20) muss die Deutsche Bank natürlich als Vorbild voran gehen. Aber ist das Vertrauen wirklich dauerhaft beschädigt worden durch den Libor-Skandal? In der Chefetage der Deutsche Bank wird man nicht viel Zeit haben, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen. Dennoch bin ich guter Dinge, dass man aus den Fehlern lernen wird.

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