Lira-Verfall: Türkische Unternehmen in fremden Währungen verschuldet

Lira-Verfall
Deutsche Bank wehrt sich gegen Vorwürfe aus der Türkei

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Türkische Unternehmen in fremden Währungen verschuldet

Der zweite Grund für den Lira-Verfall ist die anhaltende Inflation in der Türkei. Seit sechs Jahren liegt sie über dem Ziel der Türkischen Notenbank, die ein Inflationsziel von fünf Prozent jährlich ansteuert. Eine zu hohe Inflation ist ein Problem gerade für importdominierte Länder: Einfuhren werden tendenziell teurer, während ausländische Investoren fürchten, dass ihre Investments zu schnell an Wert verlieren könnten.

Nicht nur Ausländer, auch Türken selbst trauen der Lira weniger als noch vor zehn Jahren. Kein Wunder, dass Präsident Erdogan Anfang Dezember Türken dazu aufrief, ihre Fremdwährungsbestände unter dem Kopfkissen hervorzukramen und in Lira zu tauschen, um so die Nachfrage nach der eigenen Währung anzukurbeln. Wer diesem Aufruf folgte, musste seitdem einen Verlust von 6,6 Prozent an seinem Ersparten verkraften.

Nicht zuletzt sind es tatsächlich die verschuldeten Unternehmen selbst, die einen Währungsverfall beschleunigen können. Gerade türkische Firmen sind massiv in fremden Währungen verschuldet. Selbst wenn die Lira nur ein paar Prozent verliert, können sich die Kreditkosten dadurch um Millionen verteuern. Dem Türkischen Statistikamt zufolge überstiegen im September die Verbindlichkeiten türkischer Unternehmen ihre Anlagen um 213 Milliarden US-Dollar – ein negativer Rekordwert.

Die politische Situation in dem Land gibt der Währung schließlich den Rest. Nach den beiden aufreibenden Wahljahren 2014 und 2015 musste die Türkei im vergangenen Jahr einen blutigen Putschversuch verkraften, seither rollt eine Verhaftungswelle durch das Land. Außerdem kämpft das Militär des Landes an zwei Fronten gegen kurdische Extremisten und Dschihadisten, während die Frequenz tödlicher Anschläge im eigenen Land rapide zunimmt. Erst in der Neujahrsnacht tötete ein Attentäter in einem Istanbuler Nachtclub 39 Menschen. Ein paar Tage später explodierte in der Hafenstadt Izmir eine Autobombe.
Für den Präsidenten der türkischen Industriekammer, Nurettin Özdebir, ist der Währungsverfall der Lira einzig auf Spekulanten zurückzuführen. Die Türkei zahle jedenfalls weiterhin ihre Kredite zurück, wie man an den stabilen Preisen für Kreditausfallversicherungen erkennen könne, wird Özdebir in dem Artikel der „Yeni Safak“ über die Deutsche Bank zitiert. Es gibt keine abnormalen Bewegungen im Aktienmarkt, aber starke Schwankungen bei den Währungen. „Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos, es weht kein Wind, und trotzdem regnet es“, vergleicht er die Situation der türkischen Währung. Daher könne es sich seiner Meinung nach nur um Spekulation handeln.

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