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27.06.2008 
Neue Handelsplattform geplant

Londoner Börse geht in die Offensive

von Marco Morell

Mit einer neuen Handelsplattform will die London Stock Exchange verlorene Marktanteile zurückgewinnen. Großanleger bringen sich bereits in Stellung. Denn die Erfahrungen mit solchen Projekten sind gut.

Das Gebäude der LSE in London: Jetzt will die Börse eine neue Plattform eröffnen. Foto: APLupe

Das Gebäude der LSE in London: Jetzt will die Börse eine neue Plattform eröffnen. Foto: AP

Reuters/LONDON. Die Londoner Börse tritt im Kampf um Marktanteile im europäischen Börsenhandel die Flucht nach vorne an. Gemeinsam mit der US-Bank Lehman Brothers will die London Stock Exchange (LSE) eine alternative Handelsplattform aus der Taufe heben.

Solche außerbörslichen Handelsplätze, wie die schnell wachsende Plattform Chi-X oder das im August startende Project Turquoise, eine Kooperation großer Investmentbanken, machen den traditionellen Börsen wie der LSE und der Deutschen Börse das Leben schwer. Die wachsende Konkurrenz hat bei beiden Unternehmen zu massiven Kursverlusten geführt. Seit Anfang des Jahres büßten die Aktien der LSE und der Deutschen Börse rund die Hälfte ihres Wertes ein.

Vor wenigen Tagen war die LSE weiter in die Defensive geraten, weil sie den Kampf mit der New Yorker Börse um eine Beteiligung von 25 Prozent an der Börse des Scheichtums Katar verloren hat. Die aufstrebenden Finanzzentren in der Golfregion gelten als einer der attraktivsten Wachstumsmärkte für Börsenbetreiber. Die von der LSE und Lehman geplante neue Handelsplattform soll den Handel mit Wertpapieren in 14 europäischen Ländern ermöglichen. Bei dem Projekt mit dem Namen "Baikal" handelt es sich um einen sogenannten "Dark Pool", ein elektronischer, außerbörslicher Handelsplatz für Profi-Investoren.

Großanleger schätzen solche Dark Pools, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, abseits der Börsen große Aktienpakete zu handeln, ohne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen und ohne den Kurs der Papiere zu stark zu beeinflussen. Schätzungen zufolge wechseln derzeit über "Dark Pools" täglich Papiere mit einem Wert von zwölf Mrd. Euro den Besitzer. Experten erwarten, dass das Volumen in den kommenden Jahren rasant wächst.

Außerdem wollen Lehman und die LSE eine "große Anzahl" von Handelsstrategien im sogenannten Algotrading anbieten. Dabei übernimmt der Computer die Aufgabe der Händler und kauft oder verkauft auf Basis vorab programmierter Algorithmen Wertpapiere. Bei der vor einem Jahr gestartetenAktienplattform Chi-X läuft bereits fast der komplette Handel über Algotrading. mm/rtr

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