Der US-Finanzinvestor Lone Star will die IKB nach einer Übernahme wieder auf ihr Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung ausrichten.
Zentrale der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB in Düsseldorf. Der Präsidialausschuss der staatlichen Förderbank KfW ist sich am Mittwoch über den IKB-Verkauf offenbar einig geworden. Namen wollte jedoch niemand nennen. Foto: ap
HB BERLIN. „Wir werden die bestehende Positionierung der Bank als Mittelstandsbank stärken und konsequent ausbauen“, sagte der Deutschlandchef von Lone Star, Karsten von Köller, am Donnerstag in Frankfurt. Lone Star werde weiteres Eigenkapital in die IKB stecken und Risiken „umfassend“ übernehmen.
Für die staatliche KfW bedeutet das Geschäft nach Angaben vom Donnerstag jedoch weitere Belastungen: Die Erwartungen, durch den IKB-Verkauf 800 Millionen Euro zu erlösen, erfüllten sich nicht, wie KfW-Vorstandssprecher Wolfgang Kroh in Frankfurt einräumte.
Für die Mitarbeiter des Düsseldorfer Instituts soll sich zunächst nichts ändern, wie Lone Star am Donnerstag versicherte: Name und Eigenständigkeit des Instituts blieben erhalten, Personalabbau sei nicht „primäres Ziel“, sagte der Geschäftsführer der Lone Star Germany GmbH, Karsten von Köller, in Frankfurt.
„Der Verkaufserlös lag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“, sagte Kroh, auf die Frage, ob der Kaufpreis bei 300 Millionen Euro gelegen habe. Unterm Strich ergebe sich für die KfW, die dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört, eine weitere Belastung. Kroh sagte, gemessen an dem Preis würden „mit Abschluss der Transaktion noch weitere bilanzielle Belastungen für die KfW entstehen“. Die Gesamtbelastungen für die KfW aus der IKB-Krise bezifferte Kroh auf rund acht Milliarden Euro. Für die KfW Bankengruppe bestünden nun keine „unüberschaubaren Risiken“ mehr in Bezug auf die IKB.
Die IKB Deutsche Industriebank hatte sich am Markt für faule US-Kredite verspekuliert und war in Existenznot geraten, nachdem der Markt im vergangenen Sommer zusammengebrochen war. Nur dank Milliardenunterstützung konnte das Institut vor der Pleite bewahrt werden. Nach letzten Angaben mussten KfW, Bund und Bankenwirtschaft 9,8 Milliarden Euro Risiken abdecken. Die Hauptlast davon schulterte die KfW. Wegen der IKB-Krise trat KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier im April zurück. Ihr Nachfolger wird zum 1. September der bisherige Chef der NRW.Bank, Ulrich Schröder.
Die KfW und Lone Star verständigten sich nach Angaben vom Donnerstag darauf, die Risiken „bei bestimmten Portfolio- und Klagerisiken“ zu teilen. Die KfW übernehme 1,3 Milliarden Euro eines 4,6 Milliarden schweren kritischen Portfolios, das die IKB noch auf den Büchern habe. „Damit sind naturgemäß Risiken und Chancen verbunden. Die Risiken sind aber überschaubar“, sagte Kroh. Die 1,3 Milliarden Euro sichert der Bund den Angaben zufolge bis zu einer Größenordnung von 600 Millionen Euro ab.
Der Finanzinvestor Lone Star, der weiteres Eigenkapital in die IKB einbringen will, will das Institut als Mittelstandsbank stärken und wieder am Markt etablieren. „Ich denke, dass wir noch zwei volle Jahre brauchen werden, dann sollte das Geschäft wieder in der Gewinnzone sein“, sagte Lone-Star-Geschäftsführer von Köller. Lone Star habe eine „Riesenaufgabe“ vor sich, es bedürfe vieler Ideen und Einfälle, um das Geschäft wieder profitabel zu machen. Der US-Investor hatte 2005/2006 die kriselnde Ex-Gewerkschaftsbank AHBR übernommen, die heute unter dem Namen Corealcredit erfolgreich zurück am Markt ist. Von einem Pflichtangebot für die restlichen IKB-Aktien will sich Lone Star von der Finanzaufsicht BaFin befreien lassen.
IKB-Chef Günther Bräunig begrüßte den erfolgreichen Abschluss des Verkaufsprozesses: „Eine lange Phase der Unsicherheit ist beendet, und wir können jetzt die Zukunft planen.“ Abgeschlossen sein soll das Geschäft bis Oktober 2008. Zu dem zuletzt zusammengeschmolzenen Kreis der Kaufinteressenten hatte nach Informationen aus Finanzkreisen außer Lone Star nur noch die Beteiligungsgesellschaft RHJ International (RHJI) gezählt, die zur US-Gesellschaft Ripplewood gehört.


