Luxemburgs Banken-Präsident: „Zypern schlägt uns auf die Butterseite“

Luxemburgs Banken-Präsident
„Zypern schlägt uns auf die Butterseite“

Ernst Wilhelm Contzen spricht für die Luxemburger Banken und hat derzeit keinen leichten Job. Denn kleine Euro-Staaten mit großem Finanzsektor stehen seit der Zypern-Krise gehörig unter Druck. Doch die Kritik prallt ab.
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Ernst Wilhelm Contzen (64) ist der erste Ausländer an der Spitze des luxemburgischen Bankenverbands ABBL. Der gebürtige Kölner ist seit 1998 Chef der Deutschen Bank Luxemburg.

In Zypern müssen Bankkunden die strauchelnden Institute retten. Zerstört das nicht das Vertrauen in die europäische Finanzwelt?

Nein, wir Luxemburger sind für Europa und nicht für eine Renationalisierung. Die Bankkunden, die jetzt leiden, haben ja auch vorher über den Markt liegende Zinsen kassiert. Deshalb bin ich für das Vorgehen, wenn Vermögen unter 100.000 Euro verschont bleiben.

Der Euro-Gruppenchef Dijsselbloem sieht darin sogar ein Vorbild für künftige Rettungen.

Und hat recht damit. Wer in Zypern auf hohe Zinsen gesetzt hat, muss im Zweifelsfall die Konsequenzen tragen. Künftig brauchen wir aber unbedingt ein europäisches Insolvenzrecht. EU und EZB sind da bereits weit mit den Plänen.

Euro-Gruppenchef Dijsselbloem sagt auch an die Adresse aufgeblähter Finanzsektoren: „Regelt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt.“ Da meint er wohl Luxemburg, dessen Finanzsektor 22 mal so groß ist wie die Wirtschaftsleistung ...

... aber niemand darf den Finanzplatz Luxemburg an der Wirtschaftskraft des Landes messen, die Vergleichsgröße muss die gesamte EU sein. Es sagt ja auch niemand, dass die deutsche Autoindustrie im Vergleich zum Heimatmarkt überdimensioniert ist.

Wie meinen Sie das?

Wir exportieren Finanzdienstleistungen in alle Länder. Wir haben das Know-how etwa um Kredite mit 100 beteiligten Banken zu koordinieren, damit versorgen wir auch die Realwirtschaft. Und Dijsselbloem halte ich für intelligent genug, die Vorzüge der Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes, vor allem Dienstleistungsfreiheit und freier Kapitalverkehr, zu verstehen.

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„Zypern schlägt uns auf die Butterseite“

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„Der Steuerwettbewerb zwischen Ländern ist wichtig“

Kommentare zu "„Zypern schlägt uns auf die Butterseite“"

Alle Kommentare
  • Kein cent abgeflossen? Also ich kenne jemanden der sich im Zuge der Ereignisse letzte Woche sein (legales!) Luxemburg Konto erstmal mit Wertpapieren an Stelle der bisherigen letten Euro Festgelder bestueckt hat und sich derzeit aus der Schweiz und Jersey (Staat ist schuldenfrei) Angebote fuer den Depotuebertrag machen laesst und eins von diesen auch auf jeden Fall annehmen will.
    Die 'Anleger (egal ob FG oder WP) ueber 100Tsd Euro raus aus Konten in der Eurozone' Lawine ist zwar gerade erst losgetreten worden, aber sie rollt.
    Why risk it?!

  • "Wir Luxemburger sind für Europa und nicht für eine Renationalisierung" - so der Herr Contzen aus Luxemburg mit deutschem Pass. Bei solchen Plattitüden fällt mir nur noch ein, dass dem Herrn Contzen Europa so ziemlich egal sein dürfte, solange es den Luxemburger Banken gut geht. Wird dies anders (die Wahrscheinlichkeit ist hoch!), dürfte der Herrn Contzen seine Meinung wohl schnell ändern.

  • Der Vergleich der Luxemburger Finanzindustrie und der Deutschen Rüstungsindustrie ist fast schon skandalös.
    Wenn in Deutschland die gesamte Rüstungsindustrie baden geht.....zahlen die Luxemburger dann für den Schaden????
    NEIN!!! Und deswegen möchte ich mit meinen Steuergeldern nicht für die Finanzzockerei made in Luxemburg haften!!!

    Ohnehin ist das Geschwafel von einer "Finanzindustrie" paradox. Stellen die Leute da was her? Export von Finanzdienstleistungen......

    Es gibt keine Finanzindustrie!!! Wenn jemand sagt, Finanzdienstleistung = Finanzberatung/Verwaltung, dann JA: Aber BANKEN machen andere Geschäfte, d.h. gehebelte Geldvermehrung und das ist absolut riskant.

    Es kann nur so sein: JEDES Land haftet für seinen eigenen Finanzsektor, denn der Finanzsektor ist nur dafür da, die Realwirtschaft im Geldwesen zu unterstützen.

    Ich kann die Begriffe "Finanzindustrie" und "Solidarität" nicht mehr hören.

    Meine Empfehlung: Raus aus dem Euro, zurück auf LOS!!!

  • Der wesentliche Unterschied zwischen Zypern und Luxemburg besteht darin, dass Lieferverträge in Rohstoffen über Zypern (und die Schweiz) abgewickelt werden. Dies erklärt die hohen Liquiditätssalden der "Russen" auf den Konten bei zyprischen Banken.

    Luxemburg hat von alle dem nichts aufzuweisen. Deshalb brodelt es dort und nicht so sehr auf Zypern.

    Diese Erklärung sei denen nachgereicht, die Schäuble nachgeplabbert und immer von russischem Schwarzgeld in Zypern gesprochen haben. Gehen wir einmal davon aus, dass Schäuble nur Propaganda gemacht hat, um die Zinsen für deutsche Anleihen weiter zu drücken.

    Das ist Schäuble und wir müssen uns entscheiden, ob wir mit solchen Leuten weiter zusammen arbeiten können und wollen.

  • Luxemburg will mehr "Europa" weil sie den deutschen Steuerzahler in eine Haftung für ihre Banken haben wollen. Das ist der einzige Grund für deren Gerede von mehr "Europa".


  • Dieser Kleinstaatenlandvogt gibt sich ganz schöen mutig mit seiner finanzpolitischen Wahrsagung.

    Sollte , aus welchen Gruenden auch immer, "Junckers Hofstaat/Offhore" unter Druck kommen und nach Brüssel hilflsoe bettelnde Blicke wenden, ist es an der Zeit, die europ./fleurop. Bürgerwehr ohne Vorankündigung zu mobilisieren.

  • Mir ist schon bewußt dass den Banken heute von der EZB das Geld fast gratis in den Rachen geschoben wird. Das dürfen sie dann gegen wunderbare Zinssätze an die Krisenländer weitergeben, mit Steuergeld abgesichert natürlich. In so einem System kann sogar mein Gemüsehändler Geld verdienen. Man muss schon vor Arroganz eine Dauererektion und entsprechend geil durch die Gegend laufen um dann noch die Einkommen und Boni der Banker zu verlangen. Unter 500.000 geht das ja gar nicht. Unter dem Vorstandsniveau verdient die Branche ja auch nicht schlecht. Schauen Sie sich mal den Stil in Königstein, Kronberg und Bad Soden an. Da darbt keiner.
    Sie meinen also eine Anlage für mein Geld zu suchen die wenigstens die Inflation ausgleicht sei hochspekultiv und damit schon fast sanktionswürdig? Unter richtig Vermögenden geht gar nichts unter 20%, bitte nach Steuern, und die werden mit unsrem Steuergeld gerettet. Wieso darf ich keine 2,5 % von meiner Bank erwarten, wenn die das Geld zu 10 und an Girokunden zu 16 % und mehr weiterreicht? Die Banken bauen zur Zeit über diese Konstruktionen ihr Eigenkaptial auf und loben sich da selber für. Wir schenken denen also ihr Kapital. Der Staat sollte die refinanzieren und Aktienpakete dafür verlangen. Dann hätten wir alle was davon und nicht nur die Bankster und ihre Aktionäre. Warum wird das nicht in der Öffentlichkeit diskutiert? Schon alle gleichgeschaltet?

  • Sie wissen gar nicht was für einen Blödsinn da reden. Belgier fahren regelmäßig nach Luxemburg um ihre finanziellen Angelegenheiten vorort zu regeln. Franzosen ebenfalls. Die fahren aber auch schon mal in die Schweiz (in der letzten Zeit weniger, aber sonst gerne nach Monacco. Es gibt auch Bankaussendienstmitarbeiter die gerne mit dem Koffer bei Ihnen vorbeikommen. Das läuft so offen dass ich mich immer nur wundern kann wieso unsere Steuerfahndung da nicht hinterkommt und einschreitet. Oder sind das zwei von einander getrennte Aktivitäten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • zu der Variante 3) mit dem Kopfkissen ist noch zu sagen, dass sie über die Inflation auch hier an Verlusten eines Wirtschaftsraumes beteiligt werden. Dies ist die bevorzugte Variante der Südländer, welche tendenziell weichere Kreditstandards haben und so kurzfristig "Wachstum" organisieren aber eben auch mehr von den tendenziell unwortschaftlicheren Unternehmungen abschreiben müssen, was dort tradituionell bevorzugt über Verlustsozialisierung via Inflation geschieht.

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