Die Finanzkrise hat die Private-Equity-Branche im Griff. Noch vor ein paar Wochen waren die Finanzinvestoren im Kaufrausch. Nun droht das böse Erwachen. Die derzeit aufsehenerregenden Deals der Private-Equity-Branche mit einem Rekordvolumen von bis zu knapp 50 Mrd. Dollar sind stark gefährdet.
FRANKFURT. Obwohl die Kaufverträge für die Transaktionen beim Energieversorger TXU, dem kanadischen Telefonkonzern Bell Canada, dem Kreditkartenabwickler First Data und dem Studentenfinanzierer Sallie Mae unterschrieben sind, verzögert sich der endgültige Abschluss.
Es stockt bei der bereits zugesagten Finanzierung beziehungsweise den Konditionen. Denn die Zusagen erfolgten vor der Subprime-Krise. Heute ist eine Weiterplatzierung der Finanzierung für die kreditgebenden Banken nur zu höheren Sätzen oder gar nicht möglich. Deshalb müssten sie die Darlehen in die eigenen Bücher nehmen, wogegen sie sich sperren. „Selbst wenn die eine oder andere größere Transaktion, die bereits vereinbart ist, doch noch platzt, ist das Risiko für die Reputation begrenzt. Schädlicher wäre es, einen schlechten Deal zu machen,“ sagt Oliver Felsenstein von der Anwaltskanzlei Clifford Chance. Gleichzeitig versuchten die Käufer, einen niedrigeren Preis auszuhandeln, berichtet ein US-Insider.
Finanzinvestoren sammeln über Private-Equity-Fonds Finanzmittel bei Großanlegern Gelder ein und kaufen Unternehmen. Die Firmen werden restrukturiert und wieder verkauft. Die Transaktionen sind mit bis zu 80 Prozent stark kreditfinanziert. Mitte des Jahres hatten die Märkte noch gejubelt als KKR den bisherigen Rekorddeal aus dem Jahr 1988, den Kauf des Nahrungsmittelkonzern RJR Nabisco für gut 30 Mrd. Dollar übertrumpfte. Beim Kauf von TXU vereinbarte eine Erwerbergruppe um KKR einen Preis von 44 Mrd. Dollar und bei der Akquisition von First Data waren es immerhin noch 27 Mrd. Dollar. Bei Bell Canada planen Teachers Private Capital und Providence Equity Partners, sogar knapp 47 Mrd. Dollar hinzulegen und Sallie Mae wollen sich J.C. Flowers, Friedman Fleischer und Banken etwa 25 Mrd. Dollar kosten lassen.
Doch nun kommt ein erster Test bei der Übernahme von First Data. Die Transaktion soll bis Ende September abgeschlossen sein. Bis dahin müssen sich die Parteien einigen und eine Platzierung der Kredite hinbekommen, sonst würde der Prestigedeal sterben. David Rubenstein, Topmanager bei dem Finanzinvestor Carlyle, geht davon aus, dass ein Viertel der bereits unterschriebenen Übernahmen platzen werden. Auf der anderen Seite werden nur ein Viertel der Transaktionen so abgeschlossen wie bereits vereinbart.
Die Investoren wüssten, dass die Banken aus der Rekord-Übernahmewelle des ersten Halbjahres noch auf 300 Mrd. Dollar an Akquisitionkrediten sitzten und sie nicht weiterverkaufen könnten, urteilt Rubenstein. Die aufgestauten Kredite würden in den nächsten zwei, drei Monaten auf den Markt geworfen, sagt Andreas Diem von der Anwaltskanzlei Latham & Watkins. „Dann werden die Darlehen vielleicht mit Abschlägen untergebracht. Vor allem Hedge-Fonds hätten sich hier positioniert.

