Der Stellenabbau in der Versicherungsbranche geht weiter. Nach Allianz und Gerling setzt nun die Ergo abermals den Rotstift an. Mittelfristig sollen mehr als 1 000 Stellen wegfallen. Doch es gibt einen Lichtblick.
HB MÜNCHEN. Der Abbau werde sich über sämtliche Bereiche im Innendienst erstrecken, sagte Ergo-Chef Lothar Meyer am Donnerstag am Rande der Halbjahres-Pressekonferenz der Münchener Rück. Der Vertrieb sei von den Streichungen nicht betroffen. Unter anderem solle die IT vereinheitlicht und die verschiedenen Verwaltungsstandorte im Schaden-/Unfall-Bereich verringert werden. Zu Ergo gehören unter anderem die Victoria, Hamburg-Mannheimer und die DKV.
In den vergangenen fünf Jahren habe die Ergo bereits etwa 1 200 Arbeitsplätze gestrichen, sagte Meyer. Mit Blick auf die nun geplanten Streichungen fuhr er fort: „Das kann zu der gleichen Größenordnung führen.“ Die Ergo wolle dabei aber auf die natürliche Fluktuation setzen und erwarte keine Kündigungen.
In der deutschen Versicherungsbranche findet derzeit ein Stellenabbau in bislang kaum dagewesener Höhe statt. Hintergrund ist der wachsende Druck, effizienter zu werden und dadurch die Rendite zu verbessern. So will Marktführer Allianz konzernweit, also einschließlich der Dresdner Bank, rund 7 500 Arbeitsplätze streichen. Talanx, die Nummer drei der Branche, hat nach der Übernahme des Geschäfts von Gerling den Abbau von 1 800 Stellen angekündigt.
Zum Jahresende 2005 beschäftigte die Ergo weltweit mehr als 29 000 Angestellte, davon gut 22 000 in Deutschland. Hinzu kamen noch einmal fast so viele hauptberufliche Vertreter. Ergo-Chef Meyer betonte, die Versicherungsgruppe wolle nicht im Vertrieb kürzen. Mitarbeiter, deren feste Stelle im Innendienst gestrichen werde, könnten künftig als selbstständige Versicherungsmakler arbeiten.
Gute Halbjahres-Zahlen
Der Stellenabbau kommt, gleichwohl das Geschäft bei dem langjährigen Problemfall Ergo floriert. Die Tochter der Münchener Rück hat trotz rückläufiger Beitragseinnahmen im Halbjahr einen Gewinnsprung hingelegt. Der Versicherer geht nun davon aus, seine bisherige Jahresprognose zu übertreffen.
Operativ sei der Gewinn um 77 Prozent auf 797 Mill. Euro geschnellt, teilte Ergo am Donnerstag in Düsseldorf mit. Der Überschuss legte trotz höherer Steuern deutlich von 267 auf 450 Mill. Euro zu. Eine positive Entwicklung bei Kosten und Schäden sowie realisierte Kursgewinne nannte der Konzern als Begründung für die Gewinnsteigerung. Dem gegenüber sei die Beitragsentwicklung nicht zufriedenstellend, hieß es. So verzeichnete Ergo einen Rückgang der gebuchten Bruttobeiträge um 0,7 Prozent auf 8,05 Mrd. Euro.
Für das Gesamtjahr zeigte sich Ergo zuversichtlich und kündigte an, dass der angestrebte Gewinn von 450 bis 500 Mill. Euro übertroffen werde, allerdings „nicht erheblich“. Bei den Beitragseinnahmen rechnet der Vorstand mit einem Zuwachs von 1 bis 2 Prozent auf 17 Mrd. Euro. 2005 hatte der Versicherer durch Sondereffekte den Gewinn auf 782 Mill. Euro mehr als verdreifacht.

