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10.07.2008  | Aktualisiert 10.07.2008, 14:45 Uhr 
Investment-Bank

Merrill Lynch gibt Bloomberg-Anteile ab

von Matthias Eberle

Die angeschlagene US-Bank braucht Kapital und will sich vom Tafelsilber trennen: US-Medienberichten zufolge befinden sich die Verhandlungen zum Verkauf einer 20 Prozent-Beteiligung an dem Finanzservice-Konzern Bloomberg in einem weit fortgeschrittenen Stadium.

Merrill Lynch ist angeschlagen. Foto: dpaLupe

Merrill Lynch ist angeschlagen. Foto: dpa

NEW YORK. Die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch wird sich auf der Suche nach Kapital von Teilen ihrer wichtigsten Geldbringer trennen. US-Medienberichten zufolge befinden sich die Verhandlungen zum Verkauf einer 20- Prozent-Beteiligung an Bloomberg L.P. in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Den Wert des privat geführten Finanzservice-Konzerns, den New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg 1981 gründete, schätzen Analysten auf mindestens 20 Mrd. Dollar. Entsprechend könnte der zum Verkauf stehende Anteil gut vier Mrd. Dollar einbringen.

Bloomberg selbst hält 72 Prozent der Anteile und gilt deshalb seit Jahren als einer der reichsten Männer der Welt. Möglicherweise werden die Merrill-Anteile nun ins Reich des Bürgermeisters zurückwandern. Ein Treuhand-Fonds Bloombergs sei zur Zahlung von 4,5 Mrd. Dollar für die 20-prozentige Beteiligung bereit, meldete die "New York Post" gestern unter Berufung auf Insider. Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen und könnten noch scheitern, hieß es. Das Geldhaus wolle das Geschäft jedoch vor Bekanntgabe seiner Geschäftszahlen in der nächsten Woche abschließen.

Die Investmentbank musste im Zuge der Kreditkrise schon über 30 Mrd. Dollar auf komplexe, mit Hypotheken abgesicherte Schuldpapiere als Ausfälle verbuchen. Analystenschätzungen zufolge muss das Geldhaus nächste Woche weitere fünf bis sechs Mrd. Dollar abschreiben.

Seit der frühere Chef der New York Stock Exchange, John Thain, im Herbst 2007 das Ruder übernahm, hat Merrill Lynch 15 Mrd. Dollar an frischem Kapital eingesammelt, um die Bilanz aufzubessern. Inzwischen winken institutionelle Investoren als Brandhelfer jedoch zunehmend ab. Im Vorjahr hatten sich allen voran Staatsfonds aus reichen Ländern an Krisen-Banken beteiligt und damit Milliarden in den Sand gesetzt.

Den Verkauf von Tafelsilber sieht Merrill Lynch offenbar als letzten Ausweg. Deshalb soll nicht nur die Beteiligung an Bloomberg, sondern darüber hinaus ein Anteil am erfolgreichen Vermögensverwalter Blackrock zu Geld gemacht werden. Merrill Lynch ist mit 49 Prozent an der Firma beteiligt, die aktuell mit einem Marktwert von 20,5 Mrd. Dollar an der Börse notiert wird. Verkauft die New Yorker Investmentbank ihre Beteiligung komplett, könnte das weitere zehn Mrd. Dollar in die leeren Kassen spülen.

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