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26.12.2007 
Aktie gibt nach

Merrill Lynch sichert sich Milliardenspritze

Die durch die Hypothekenkrise krisengeplagte US-Investmentbank Merrill Lynch verschafft sich über den Einstieg zweier Großaktionäre und den Verkauf ihrer Mittelstandskredit-Sparte an General Electric dringend benötigtes Kapital in Milliardenhöhe.

Merrill-Lynch-Schriftzug an einem Bankgebäude in New York: Die US-Investmentbank holt sich einen Staatsfonds ins Haus. Foto: apLupe

Merrill-Lynch-Schriftzug an einem Bankgebäude in New York: Die US-Investmentbank holt sich einen Staatsfonds ins Haus. Foto: ap

HB NEW YORK. Allein die beiden neuen Investoren schießen mindestens 6,2 Milliarden Dollar (4,3 Mrd Euro) zu. Der Staatsfonds Temasek aus Singapur steigt für 4,4 Milliarden Dollar bei Merrill Lynch ein mit der Option auf Anteile für weitere 600 Millionen Dollar. Insgesamt würde Temasek dann knapp zehn Prozent an der Bank halten. Der US-Investor Davis Selected Advisors kaufe sich zudem für 1,2 Milliarden Dollar ein, teilte Merrill Lynch in New York mit. Temasek und Davis werden den Angaben zufolge passive Investoren ohne jegliche Kontrollrechte sein. Die Merill-Lynch-Aktien gaben am Montag bei verkürztem Handel 1,64 Prozent auf 53,90 Dollar nach.

Zudem verkaufte das Institut die Mehrheit seines Mittelstands-Finanzierers an General Electric. Dadurch würden 1,3 Milliarden Dollar für das Unternehmen frei, teilte Firmenchef John Thain mit. Die Übernahme des 15 Milliarden schweren Mittelstands-Finanzierers der Bank durch GE soll im ersten Quartal 2008 abgeschlossen werden. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Finanztochter des Mischkonzerns, GE -Capital, übernimmt rund 10 Milliarden Dollar an Anlagevermögen sowie 5 Milliarden Dollar an Finanzierungszusagen. Zu den Aktivitäten zählen Unternehmens- und Ausrüstungskredite sowie Finanzierungen im Bereich Energie und Gesundheit. Das Geschäft mit Krediten für Gewerbe-Immobilien behält Merrill Lynch dagegen. GE Capital verwaltet allein bei Firmenfinanzierungen Anlagen im Wert von 260 Milliarden Dollar.

Dem ersten Verkauf einer Banksparte unter Thain könnten Berichten zufolge bald weitere folgen. Der erst seit November amtierende Merrill-Chef stellt die Bank nach Milliardenverlusten infolge der Kreditkrise derzeit neu auf.

Merrill Lynch ist nicht die erste Großbank, die sich Kapital bei Staatsfonds beschafft. So erhält Morgan Stanley nach eigenen Angaben fünf Milliarden Dollar von China, die Citigroup verkaufte einen Anteil an Abu Dhabi für 7,5 Milliarden Dollar, auch UBS willigte in das Investment eines Staatsfonds aus Singapur in Höhe von 9,75 Milliarden Dollar ein.

Temasek gilt mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar als einer der ältesten und erfolgreichsten Staatsfonds der asiatischen Welt. Merrill Lynch hatte im dritten Quartal 7,9 Milliarden Dollar wegen der Immobilienkrise bereinigt und tiefrote Zahlen geschrieben. Laut Analysten drohen nochmals zusätzliche Abschreibungen in derselben Höhe. Bankchef Stan O'Neal hatte im Oktober seinen Hut nehmen müssen. Die Investmentbank will Mitte Januar ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegen.

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