Milliardengeschäft: Schweden privatisiert Staatsfirmen

Milliardengeschäft
Schweden privatisiert Staatsfirmen

Vin & Sprit, Produzent der erfolgreichsten Wodka-Marke der Welt, Absolut, kann sich vor Übernahmeangeboten kaum retten. Das Interesse an der größten nordeuropäischen Bank Nordea ist wohl ebenfalls groß. Doch vor allem die Investmentbanken geben sich in Schweden seit Monaten die Klinke in die Hand. Denn die Berater haben ein Milliardengeschäft gewittert.

STOCKHOLM. Auf diesen Tag haben sich viele gefreut: Wenn der schwedische Finanzmarkt-Minister Mats Odell am heutigen Freitag die Details zur Privatisierung von sechs staatlichen Konzernen bekannt gibt, ist die lange Wartezeit vorüber. Seit dem Regierungswechsel im vergangenen September als die Sozialdemokraten von einer bürgerlichen Regierung abgelöst wurden, haben sich Investmentbanken in aller Welt die Klinke bei Odell in die Hand gegeben.

Immerhin will die neue Regierung die staatlichen Anteile der größten nordeuropäischen Bank Nordea, des weltgrößten Wodka-Herstellers Vin & Sprit, des Stockholmer Börsenbetreibers OMX, der Hypothekengesellschaft SBAB, des Immobilienkonzerns Vasakronan und des Telekom-Riesen Telia Sonera verkaufen. Das soll dem Staat in der laufenden Legislaturperiode im Schnitt rund 50 Mrd. Kronen (5,4 Mrd. Euro) jährlich in die Kassen spülen.

Die Investmentbanken, die Odell beim Verkauf beraten sollen, sind bereits benannt. Neben den schwedischen Beratern von Carnegie, der SEB-Tochter Enskilda Securities und Handelsbanken erhielten die Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS ein Mandat. Ein Milliardengeschäft, wie ein Insider weiß. „Üblich sind 1,5 bis zwei Prozent der Verkaufssumme als Honorar“, sagt er.

Damit könnten sich die neun Investmentbanken rund drei Mrd. Kronen Honorar teilen, wenn es ihnen gelingt, die Konzerne für mindestens 150 Mrd. Kronen zu verkaufen. Doch auch die Investmentbanken, die kein Rahmenabkommen mit dem schwedischen Staat schließen durften, müssen nicht leer ausgehen: Denn sollte während des Privatisierungsprozesses eine Börsennotierung als beste Lösung erscheinen, werden weitere Investmentbanken eingeladen, sich mit einer Offerte zu beteiligen.

Die Abkommen mit den neun Investmentbanken laufen noch bis Oktober dieses Jahres. Obwohl es noch keinen genauen Zeitplan gibt, rechnen Insider in Stockholm mit dem Verkauf der ersten Beteiligungen noch in diesem Jahr. Als Sonderberaterin für den gesamten Privatisierungsprozess hat die Regierung die schwedische Top-Bankerin Karin Forseke verpflichtet. Die 52-jährige war früher Chefin von Carnegie und hat auch an der Londoner Rohstoff-Börse Liffe gearbeitet. Ihre Ernennung wurde in schwedischen Bankenkreisen sehr gelobt, da es die „Ernsthaftigkeit“ unterstreiche, mit der die Regierung sich von den Staatsbeteiligungen trennen möchte.

In diesen Tagen ist Forseke eine viel beschäftigte Frau. Denn vor allem Vin & Sprit als Produzent der erfolgreichsten Wodka-Marke der Welt, Absolut, kann sich vor Übernahmeangeboten durch die großen ausländischen Konkurrenten kaum retten. Der Preis für den Staatskonzern beläuft sich auf mindestens fünf Mrd. Euro. Das Interesse an Nordea dürfte ebenfalls groß sein. Die in der gesamten Ostseeregion agierende Bank könnte für einen mitteleuropäischen Konkurrenten der perfekte Partner für den Einstieg in Nordeuropa sein.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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