Der neue Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Thomas Mirow, will bei der inhaltlichen Arbeit des Instituts neue Schwerpunkte setzen. Eine radikale Reform hält er aber nicht für notwendig. Die Daseinsberechtigung der sogenannten Osteuropabank sieht der ehemalige Staatssekretär in der Hilfestellung für die schwächsten Länder.
Thomas Mirow sieht als neuer Chef der Osteuropabank noch wichtige Aufgaben in Russland oder Zentralasien. Foto: AP
LONDON. "Ich denke, dass ein hohes Maß an Kontinuität möglich ist, aber ich sehe auch politisch und ökonomisch neue Aufgaben", sagte Mirow dem Handelsblatt. Dazu gehöre beispielsweise mehr Engagement auf aktuellen Problemgebieten wie der Nahrungsmittelknappheit und dem Klimaschutz. "Hier gibt es eine fast unbegrenzte Zahl von Einsatzmöglichkeiten für die EBRD", glaubt Mirow.
Der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium wurde im Mai einstimmig zum Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gewählt. Der Sozialdemokrat war der einzige Kandidat für das Amt, das seit 2000 der Franzose Jean Lemierre innehatte. Vor Lemierre stand kein Geringerer als der heutige Bundespräsident Horst Köhler an der Spitze der in London sitzenden Bank, die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus gegründet wurde, um den Aufbau im östlichen Europa zu unterstützen.
Mirow übernimmt die Führung der so genannten Osteuropabank in einer heiklen Phase: Die 63 nationalen und supranationalen Anteilseigner debattieren heftig über die Ausrichtung der Bank, die seit der Osterweiterung der Europäischen Union einen neuen Fokus sucht.
An der Existenzberechtigung der EBRD hat Mirow keinerlei Zweifel. "Viele Staaten in Mittel- und Osteuropa sind inzwischen so weit transformiert, dass die EBRD dort nicht mehr gebraucht wird", räumte der Bankchef zwar ein. Andere Regionen wie die Ukraine und Russland, Zentralasien, Kaukasus und der westliche Balkan hätten auf dem Weg zu marktwirtschaftlichen Strukturen und einer gefestigten Demokratie aber noch einen weite Strecke vor sich. Die EBRD könne sie dabei begleiten.

