Mobbing: Krankenkasse drängelt teure Kunden raus

Mobbing
Krankenkasse drängelt teure Kunden raus

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtet über schwere Vorwürfe gegen die gesetzliche Krankenkasse KKH-Allianz. Die Kasse habe schwer kranke und damit besonders teure Versicherte aufgefordert, zu kündigen.
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DüsseldorfDie Krankenkasse KKH-Allianz hat dem ZDF-Bericht zufolge schwer kranke und damit besonders teure Versicherte zur Kündigung aufgefordert. Diese Geschäftspraxis der Krankenkasse hätten sowohl betroffene Versicherte als auch Mitarbeiter der KKH-Allianz gegenüber der Redaktion des ZDF-Magazins „Frontal 21“ bestätigt.

Der Bericht über die schweren Vorwürfe gegen die KKH-Allianz, eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands, läuft am Dienstagabend. „Frontal 21“ beruft sich auf interne Telefonprotokolle, die der Redaktion vorlägen.

Der Vorstand der Krankenkasse, Ingo Kailuweit, hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Das könne er sich „definitiv nicht vorstellen“, sagte Kailuweit im ZDF-Interview. Es sei bei der Telefonaktion um ein ganz normales Mahnverfahren gegangen. Inzwischen habe die KKH-Allianz gegenüber „Frontal 21“ schriftlich aber eine interne Prüfung angekündigt.

Nach eigenen Angaben hat die KKH-Allianz 1,8 Millionen Versicherte. Sie ist gesetzlich verpflichtet, alle Versicherten gleich zu behandeln, egal ob jung oder alt, gesund oder schwer krank.

Der renommierte Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Prof. Rolf Rosenbrock wertet das Vorgehen der KKH-Allianz als Skandal: „Das entspricht auf keinen Fall dem Auftrag einer gesetzlichen Krankenversicherung. In Paragraph eins des zuständigen Gesetzes steht, die gesetzliche Krankenkasse ist eine Solidargemeinschaft.“

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte das Geschäftsgebaren der Krankenkasse: „Ich denke, dass Wettbewerb nicht dazu führen darf, dass man gesetzliche Grenzen überschreitet.“ Schaar sagte dem ZDF, es könne nicht sein, dass Menschen aus der gesetzlichen Krankenkasse gedrängt würden, „weil sie möglicherweise zu teuer sind“.

Die Telefonaktion der KKH-Allianz ging nach den ZDF-Recherchen offenbar über mehrere Monate. Hunderte Versicherte wurden kontaktiert, die Gesprächsinhalte detailliert festgehalten.

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„Hat am Telefon geweint; Kündigung liegt vor“

Kommentare zu " Mobbing: Krankenkasse drängelt teure Kunden raus"

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  • Ich vermute, dass Sie aus Sicht Ihrer GKV ein hochprofitabler Versicherungsnehmer sind. Die Ausgaben für ambulante Untersuchungen sind nämlich pauschaliert, die GKV zahlt eine Kopfprämie an die kassenärztliche Vereinigung; ob Sie eine oder zehn Vorsorgeuntersuchungen bekommen ändert am tatsächlichen Geldfluss nichts.
    Den hohen Medikamentenkosten stehen in der Höhe geheimgehaltene Rückzahlungen der Pharmaindustrie an die GKV gegenüber.
    Da Sie Chroniker sind erhält Ihre GKV Ausgleichsleistungen aus einem gemeinsamen Ausgleichstopf der GKVen für chronische und teure Versicherten. Also:
    hoher Beitrag plus Kickback plus Ausgleichsleistung mehr als Behandlungs- plus Medikamentenkosten.

  • Und es ist nicht nur diese Fallgestaltung: "Risiken" werden schon bei jungen Menschen bei Überleitung der Mitversicherung über die Eltern in eine eigene Versicherung oder bei einem Versicherungswechsel, z.B. um in einen günstigen Studententarif hinein zu gelangen, bewertet. Mit der Folge, daß zunehmend Versicherungen wegen sogen. vorvertraglichen Auskunftspflichtverletzungen gekündigt oder mit hohen Risikozuschlägen änderungsgekündigt werden. Wer dann noch einmal wechseln will oder dies muß, wird vom Versicherung-Markt gnadenlos abgestraft und steht a.E. ohne Versicherung und verwiesen auf die teure Grundsicherung alleine da. Oder fällt ins bergfreie. Nur wenige nehmen professionelle Hilfe in Anspruch und könnnen dann nur auf eine "gesunde Zukunft" hoffen.

  • Ich bin 2002, nach einer Altersteilzeit mit halbem Gehalt, von der PKV in die GKV gekommen, weil meine Frau ohne Rentenanspruch war und der Verbleib in der PKV für uns zu teuer wurde. Seit der Zeit hat sich aber die GKV zum "Preistreiber der Nation" entwickelt. Allein die Beiträge, also ohne erheblich gestiegene Zuzahlungen und Ausschlüsse von Hilfsmitteln und Medikamenten, Praxisgebühren etc., sind von rd. 11% des verfügbaren Einkommens (das die GKV immer aufzupolieren trachten) auf nunmehr rd. 16% gestiegen, in der Zeit von 2002-2012 also um insgesamt 36% oder 3,6% p.a. (bei 2,0% allgemeiner Inflation) Die verfügbaren Einkommen - insbesondere Renten - sind aber in der gleichen Zeit real um 17% gesunken. So sind wir langsam ärmer und die Kassen schnell reicher geworden, haben ein "Polster" gebildet, das den Verdacht aufkommen lässt, sie haben den gesetzlichen Auftrag falsch verstanden und sind zu Sparkassen mutiert. Deshalb ist ein Rat für alle GKV-Versicherten wichtig: Schauen Sie sich die Rechtsprechung der Sozialgerichte zum Problem: Empfehlungen der Spitzenverbände der GKV zur Verordnung von Hilfsmitteln und Medikamenten an: Hier liegen eindeutige Entscheidungen vor: Die haben kein gesetzliches Mandat für Einschränkungen, wenn dadurch die medizinische Versorgung der Patienten gefährdet wird. Und was erforderlich ist, bestimmen allein die Ärzte der Patienten und nicht sach- und fallfremde sogenannte Gutachterausschüsse, überwiegend nach ökonomischen Gesichtspunkten. Es lohnt sich immer zu klagen, das ist wirkungsvoller als Fernsehen.

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