Finanzberater sind gefragt. Inzwischen werden die Manager mit einem Händchen für die richtige Anlage so gut bezahlt, dass die Gehälter Rekordhöhen erreicht haben. Die großen Finanzvertriebe MLP
und AWD
verzichten nun darauf neue Leute einzustellen - und riskieren ihre Zukunft.
FRANKFURT. Der Wettbewerb um gute Finanzberater wird immer härter. Das nutzen die cleveren Verkäufer aus. Doch die Finanzvertriebe AWD
und MLP
gehen nicht mehr auf jede Preisforderung ein, um neue Leute an sich zu binden. Lieber nehmen sie einen schleichenden Beraterschwund in Kauf.
?Die Qualität ist entscheidend?, sagte MLP
-Chef Uwe Schroeder-Wildberg gestern in einer Telefonkonferenz. Der Wettbewerb um Finanzberater werde derzeit mit ?teilweise abstrusen Versprechen und Vergütungen? geführt. Da will er nicht mitmachen. Deshalb nahm MLP
in Kauf, dass die Zahl seiner Finanzberater in einem halben Jahr von 2602 auf 2491 gesunken ist.
Das ist ein Problem, denn Finanzberater sind das Kapital jedes Vertriebes. Je mehr davon produktiv arbeiten, um so mehr Einnahmen kann die Gesellschaft künftig erwarten. In diesem Jahr ist dies für MLP
noch gerade verkraftbar, denn die Zahl der Kunden ist dennoch um einige tausend auf 739 000 gestiegen. Der Erlös je Berater erhöhte sich dadurch naturgemäß von 137 000 auf 144 000 Euro. Das sei die Messlatte in der Branche, erklärte der MLP
-Chef stolz.
Doch er weiß auch, dass sich diese Entwicklung nicht beliebig lange fortschreiben lässt, zumal die Finanzkrise auch in seiner Organisation voll angekommen ist. Das Geschäft mit reichen Privatkunden und Profis über die neue Tochter Feri stockt. Firmenkunden verschieben größere Projekte. In der Altersvorsorge stagniert das Neugeschäft, im Geschäft mit Krankenversicherungen leiden alle unter der Gesundheitsreform. ?Keiner kann sich von der Krise abkoppeln?, sagt der MLP
-Chef.
Das behauptet der große Konkurrent AWD
schon länger. Deshalb hat Co-Chef Carsten Maschmeyer eine große Berateroffensive ausgerufen und dafür viel Geld in die Hand genommen. Den Zuwachs von Beratern erkauft er sich jedoch mit einem Gewinneinbruch in diesem Jahr. Das dürften nach Einschätzung von Branchenkennern die Quartalszahlen erneut zeigen, die heute vorgelegt werden.



