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12.10.2008 
US-Banken im Sog der Finanzkrise

Morgan Stanley stürzt erneut ab

von Michael Maisch

John Macks Kampf um die Zukunft seiner Bank scheint mit jedem Tag schwieriger zu werden. Immer wieder versichert der Vorstandschef von Morgan Stanley, dass das Geldhaus stabil sei und schon am kommenden Dienstag neun Mrd. Dollar frisches Kapital von der japanischen Großbank Mitsubishi UFJ bekomme. Doch die Zweifel wachsen, dass die Transaktion zu den geplanten Konditionen abgeschlossen wird.

Lupe

NEW YORK. Am Freitag sackte die Morgan Stanley Aktie am fünften Tag in Folge ab und verlor noch einmal mehr als 22 Prozent ihres Börsenwertes. Neben dem Misstrauen der Investoren musste Mack einen weiteren Tiefschlag einstecken: Die Ratingagentur Moody’s droht damit, die Bonitätsnote der Bank herabzustufen, weil die Finanzkrise die Gewinne gefährde. Auch Goldman Sachs ist von der Moody’s Warnung betroffen. Die Aktien der ehemals größten US-Investmentbank verloren zwölf Prozent an Wert. Inzwischen wird in New York spekuliert, dass die fünftgrößte Bank des Landes zu den ersten Instituten gehören könnte, an denen sich die US-Regierung im Rahmen eines neuen Rettungsplanes direkt beteiligen könnte.

Die Finanzkrise kostete bereits drei der fünf großen Investmentbanken an der Wall Street die Existenz oder die Selbständigkeit. Bear Stearns wurde von JP Morgan übernommen, Merrill Lynch musste sich in die Arme der Bank of America werfen und Lehman Brothers rutschte in die Pleite. Vor allem der Kollaps von Lehman verschärfte die Vertrauenskrise in der Bankenbranche noch einmal masiv und war einer der unmittelbaren Auslöser für das aktuelle Chaos an den Märkten.

Analysten erwarten allerdings, dass Morgan Stanley kein zweiter Fall Lehman wird, weil die Folgen für die gesamte Finanzbranche katastrophal wären. Am Wochenende haben die Regierungen der großen Industriestaaten in Washington einen neuen Fünfpunkte-Plan zur Lösung der Kreditkrise verabschiedet. US-Finanzminister Hank Paulson arbeitet derzeit an einem Projekt, dass es ihm erlaubt Aktien an einem „breiten Spektrum“ von Banken zu erwerben, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern.

„Ich vermute, dass Morgan Stanley und Goldman Hilfe bekommen, wenn sie sie wirklich brauchen“, meint Benjamin Wallace, Analyst bei Grimes & Co. Außerdem sei auch ein Komplettverkauf von Morgan Stanley eine Option, Analyst David Trone von Fox, Pitt Kelton sieht keine fundamentalen Gründe für den Ausverkauf bei der US-Bank. Liquidität, Bilanz, und die langfristigen Gewinnaussichten sähen solide aus. Allerdings zeige der Kollaps von Lehman Brothers, wie schwer es sei, aus einer Vertrauenskrise wieder heraus zu kommen. Tatsächlich sehen die Finanzdaten von Morgan Stanley im Branchenvergleich robust aus. Per Ende August verfügte die Bank über eine durchschnittliche Liquidität von 183 Mrd. Dollar und die Kernkapitalquote lag bei über zwölf Prozent.

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