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18.06.2008 
Quartalszahlen

Morgan Stanley verliert Anschluss an Goldman

von Torsten Riecke

Nach dem Gewinneinbruch von 60 Prozent im zweiten Quartal muss sich die Investmentbank Morgan Stanley auf absehbare Zeit mit Platz zwei an der Wall Street begnügen. Zu groß ist der Abstand zum Brancheprimus Goldman Sachs, dessen Erträge im gleichen Zeitraum lediglich um elf Prozent zurückgingen. Entscheidend jedoch ist, dass die Finanzkrise Morgan Stanley stark in die Defensive gedrängt hat, während die Goldmänner aus einer Position der relativen Stärke heraus ihre Führung noch ausbauen wollen.

Morgan Stanley verkraftet die Finanzkrise gut.Lupe

Morgan Stanley verkraftet die Finanzkrise gut.

NEW YORK. Sichtbar wird die unterschiedliche Ausgangslage der beiden Banken in den Stellungnahmen ihrer Konzernführer. Während Goldman-Chef Lloyd Blankfein in der Krise bereits die künftigen Gewinnchancen für sein Institut sieht, geht Morgan-Chef John Mack zunächst in Deckung. "Angesichts der turbulenten Lage sind wir nah am Ufer geblieben und haben unsere Kapital- und Liquiditätsposition gestärkt", sagte Mack in New York. Zwar will auch Morgan neue Ertragschancen nutzen. Nachdem sich die Bank in der Kreditkrise derart die Finger verbrannt hat, ist die Risikofreude jedoch spürbar gesunken. Das engt den künftigen Ertragsspielraum ein.

Bereits jetzt hat Goldman seinen ewigen Rivalen in der Ertragskraft deutlich abgehängt. Während der Marktführer immer noch mit einer Eigenkapitalrendite von knapp über 20 Prozent glänzt, ist die Gewinnquote bei Morgan von zuvor gut 27 Prozent auf mickrige 12,3 Prozent gesunken. Zu denken geben müssen Mack auch die gravierenden Unterschiede im Risikomanagement. Goldman erwirtschaftet mit einer "leverage ratio" von gut 20 einen Quartalsgewinn von zwei Mrd. Dollar. Das heißt, für jeden Dollar Eigenmittel setzt die Bank etwa 20 Dollar Fremdmittel ein. Morgan verdient mit einer Quote von 25 gerade mal eine Mrd. Dollar.

Grundsätzlich lässt sich durch den höheren Einsatz von Fremdkapital auch die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital steigern. Allerdings nur, wenn man die damit verbundenen Risiken im Griff hat. Bei Goldman war das offenbar der Fall, bei Morgan nicht. Wer das Risikomanagement beherrscht, kann auch mehr wagen und verdienen. So lag der Value at Risk (VaR) beim Branchenprimus mit 184 Mill. Dollar im zweiten Quartal doppelt so hoch wie bei Morgan. Der VaR gibt an, wie viel Geld die Bank im schlimmsten Fall an einem Tag verlieren kann.

Seit Anfang der Kreditkrise musste Mack auf riskante Kreditprodukte bereits rund zwölf Mrd. Dollar abschreiben. Im zweiten Quartal kamen noch einmal Kreditverluste von knapp einer Mrd. Dollar bei Hypothekenprodukten und Übernahmefinanzierungen hinzu. Anders als bei Goldman konnte Morgan die Rückschläge nicht durch ausreichend hohe Gewinne im Eigenhandel und im Investmentbanking auffangen. Die Einnahmen im Fixed-Income-Handel gingen um 85 Prozent zurück.

Der Misserfolg ist eine persönliche Niederlage für Konzernchef Mack. Seit seiner Rückkehr 2005 an die Spitze der Investmentbank, versuchte er Morgan auf mehr Risikofreude zu trimmen. Vor Augen hatte er dabei immer den Erzrivalen Goldman Sachs, der Morgan Stanley in den 90-er Jahren vom Thron an der wall Street gestoßen hatte. Das verlustreiche Engagement auf dem Subprime-Markt war Ausdruck dieser Aufholjagd. Mack muss sich jetzt fragen, wohin er die Bank steuern will.

Der Rückgriff auf das klassische Investmentbanking allein wird nicht nach Meinung von Analysten nicht reichen, um die Rendite wieder über 20 Prozent zu bringen. Zumal die Zahl der Transaktionen deutlich zurückgegangen ist. Goldman hatte bereits berichtet, dass der Auftragsbestand rückläufig sei. Der Markführer konnte immerhin noch bei der Begleitung von Aktienemissionen zulegen. Bei Morgan sind die Einnahmen im Emissionsgeschäft und bei der Beratung von Übernahmen zwischen 40 und 50 Prozent eingebrochen.

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