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30.05.2007 
Geschäftsideen-Wettbewerb für Mitarbeiter

Münchener Rück erteilt Großfusionen Absage

von Rita Lansch

Die Münchener Rück lässt sich von der beginnenden Konsolidierung unter den großen Rückversicherern nicht anstecken. „Großübernahmen können wir uns in der Rückversicherung nur schwer vorstellen“, sagt Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek dem Handelsblatt.

Die Firmenzentrale der Münchener Rück in München. Foto: apLupe

Die Firmenzentrale der Münchener Rück in München. Foto: ap

MÜNCHEN. Der Grund: Die Münchener Rück hat bereits mit so vielen Großkunden Verträge, dass die Überlappung zu groß wäre. Das birgt dann die Gefahr, dass Kunden abspringen, weil sie darauf bedacht sind, nicht zu viele Risiken bei einem Rückversicherer zu konzentrieren. Jeworrek: „Wir haben uns das auch alles angeschaut, aber es ergibt keinen Sinn.“ Dann zahle man für Geschäft, welches man anschließend verliert.

Im vergangenen Jahr hat Konkurrent Swiss Re die GE Insurance Solutions für rund sieben Milliarden Dollar erworben und sich damit an der Münchener Rück vorbei an die Weltmarktspitze geschoben. Die französische Scor formt aktuell mit der Übernahme der Schweizer Converium den fünftgrößten globalen Anbieter.

Um das stagnierende Wachstum anzukurbeln, hat die Münchener Rück einen internen Wettbewerb ausgeschrieben, der von den Mitarbeitern Ideen für neue Geschäftsmodelle einsammeln soll. Das gehe weit über das übliche betriebliche Vorschlagswesen hinaus, sagt Jeworrek: „Hier geht es um echte Businesspläne, die die Mitarbeiter mit unserer Unterstützung auch gern selbst im Markt umsetzen dürfen.“ Aber es müssten schon echte Innovationen sein. Im Intranet steht, dass „marktfähige Produkte und Lösungen“ gefragt sind, die „im weitesten Sinne zu unserem Kerngeschäft passen.“ Der Wettbewerb läuft von Juni bis Oktober. Die zehn besten Vorschläge werden Ende 2007 prämiert.

Die für den traditionsbewussten Konzern ungewöhnliche Aktion ist Teil des von Vorstandschef Nikolaus von Bomhard angestoßenen Wachstumsprogramms „Changing Gear“. Damit will er seine gesamte Organisation auf mehr unternehmerisches Denken trimmen, um so die Wachstumsdelle des zweitgrößten Rückversicherers der Welt zu überwinden. Wichtige Maßnahme: Künftig will die Münchener Rück direkt mit Endkunden Verträge abschließen – ohne den Umweg über die Erstversicherungstochter Ergo zu wählen. Bis 2010 sollen 250 Mio. Euro zusätzlicher Gewinn aus „Changing Gear“ kommen – ein konkretes neues Umsatzziel hat das Unternehmen aber nicht genannt.

Die Münchener Rück hat in den vergangenen drei Jahren zwar ein Rekordergebnis nach dem anderen erzielt; verliert zugleich aber Umsatz. 2002 lagen die Beitragseinnahmen noch bei 25,4 Mrd. Euro, Ende 2006 waren es gut drei Mrd. Euro weniger. Dabei wird das Management nicht müde zu betonen, dass sie angesichts der schlechten Preise auf den Rückversicherungsmärkten der Welt gar nicht nach Wachstum streben, sondern vorrangig nach Ertrag. Neuerdings formulieren die Münchener ihr Ziel als „ertragreiches Wachstum“. „Die Umsatzziele kommen hierbei zu kurz“, kritisiert Carsten Zielke, Versicherungs-Experte von Bear Stearns International. Er steht mit dieser Meinung in der Branche nicht allein.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was der Münchener Rück bei der Suche nach ertragreichen Wachstumsfeldern entgegenkommen dürfte.

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