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14.03.2006 
Hohe Sturmschäden

Münchener Rück rettet sich mit Verkäufen vor Gewinneinbruch

Nur dank hoher Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen hat die Münchener Rück im vergangenen Jahr ihren Überschuss gesteigert. Ansonsten hätten die hohen Sturmschäden ihn abschmelzen lassen. Die Stimmung ist nichtsdestotrotz gut.

HB MÜNCHEN. Der Überschuss sei auf den Rekordwert von 2,74 Mrd. Euro nach 1,89 Mrd. im Vorjahr gestiegen, teilte der Münchener Konzern am Dienstag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von nur 2,67 Mrd. Euro gerechnet. Gewinne von 2,1 Mrd. Euro aus dem Verkauf von Aktien etwa der Allianz und aus dem Umtausch von HVB-Anteilen in Papiere des neuen HVB-Mutterkonzerns Unicredito glichen die Kosten für Schäden aus der Serie verheerender Hurrikane aus.

In der Rückversicherung brach der Gewinn um 16,3 Prozent auf 1,39 Mrd. Euro ein. Wegen der Sturmschäden schnellte die Schaden-Kosten-Quote der Münchener Rück in der Rückversicherung auf von 98,9 auf 110,5 Prozent hoch. Davon entfielen 17,7 Prozentpunkte auf Naturkatastrophen. In normalen Jahren budgetiert die Münchener Rück dafür etwa 5 Prozentpunkte. Bei mehr als 100 Prozent sind Schäden und Kosten nicht mehr allein durch Prämieneinnahmen gedeckt. Die Quote gilt als Indikator für die Ertragskraft. Im laufenden Jahr soll sie bei einem normalen Schadenverlauf unter 97 Prozent fallen.

Konzernchef Nikolaus von Bomhard sagte, das Ergebnis habe seine eigenen Ziele leicht übertroffen. „Unser solides Basisgeschäft macht das erreichte Rentabilitätsniveau nachhaltig.“ Mit einer Eigenkapitalrendite von 12,3 Prozent erfüllte die Münchener Rück ihr Ziel einer Rendite von 12 Prozent.

Trotz der Beteiligungsverkäufe hat die Münchener Rück, die gemeinsam mit dem Rivalen Swiss Re den Weltmarkt für Rückversicherungen dominiert, noch Reserven in der Bilanz: Die unrealisierten Gewinne auf veräußerbare Wertpapiere stiegen im vergangenen Jahr von 8,4 auf auf 11Mrd. Euro.

Zufrieden zeigte sich Vorstandschef Nikolaus von Bomhard mit der Erstversicherungsgruppe um die Tochter Ergo, die ihren Gewinn auf 1,175 Mrd. Euro nach 317 Mill. im Vorjahr ausbaute. Allerdings war darin ein Teil der Kapitalgewinne enthalten.

Für das laufende Jahr geht die Münchener Rück von etwa konstanten Beitragseinnahmen zwischen 37 und 38 Mrd. Euro aus. Im vergangenen Jahr waren sie mit 38,2 Mrd. Euro stabil geblieben. Der Gewinn soll 2006 ebenfalls stabil zwischen 2,6 und 2,8 Mrd. Euro liegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neue Messgröße.

Von Bomhard bezeichnete die Kapitalausstattung der Münchener Rück als stark. „Einer Überkapitalisierung würden wir durch aktives Kapitalmanagement begegnen“, sagte er. Für die Zukunft schloss er auch einen Aktienrückkauf nicht aus. Für das vergangene Jahr will die Münchener Rück 3,10 Euro Dividende je Aktie bezahlen nach 2,00 Euro im Vorjahr.

Künftig wolle die Münchener Rück eine Zielgröße für eine risikoadjustierte Kapitalrendite (Return on risk-adjusted Capital, Rorac) vorgeben, sagte Controlling-Vorstand Jörg Schneider in München. Damit solle verhindert werden, dass sich die Zielgröße allein wegen der Entwicklungen am Kapitalmarkt verändere – etwa wenn höhere Zinsen zu niedrigeren Kursen von festverzinslichen Wertpapieren führten und dies das Eigenkapital mindere. „Wir sind überzeugt, dass ein Versicherer das Risiko irgendwie in der Hauptkennzahl erfassen muss“, sagte Schneider.

Die risikoadjustierte Kapitalrendite soll im laufenden Jahr 15 Prozent erreichen. Der neue Renditemaßstab setzt einen adjustierten Konzernüberschuss ins Verhältnis zum Risikokapital. Das Risikokapital errechnet sich aus den voraussichtlichen Aufwendungen des Versicherers für den theoretischen Fall, dass sich zwei Mal nacheinander Jahrhundert-Katastrophen ereigneten. Das Risikokapital bezifferte der Konzern auf 17 Mrd. Euro bei einem Eigenkapital von 24,6 Mrd. Euro.

Bislang hatte sich die Münchener Rück eine Zielgröße für die Netto-Eigenkapitalrendite (RoE) vorgegeben, die im vergangenen Jahr 12,3 Prozent betrug nach 9,5 Prozent in 2004.

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