Munich-Re-Chef von Bomhard: Versicherer sind besser als Banken

Munich-Re-Chef von Bomhard
Versicherer sind besser als Banken

Im Gegensatz zu den Banken sind die Versicherer verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. Hatten sie Glück? Nikolaus von Bomhard, Munich-Re-Chef und Präsident des Versichererbündnisses Geneva Association spricht im Handelsblatt-Interview über die Krisenresistenz der eigenen Branche.
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Handelsblatt: Herr von Bomhard, hatten die Versicherer einfach Glück, dass sie vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind?

Nikolaus von Bomhard: Auf Glück und Pech zu setzen ist für Versicherer kein Erfolgsrezept, jedenfalls kein nachhaltiges.

Sondern?

Für die Geneva Association kann ich sagen, dass viele Versicherer infolge der Krise nach 2001 ihre Risikomodelle wetterfest gemacht haben. Die Branche war deshalb generell deutlich besser auf Marktverwerfungen vorbereitet.

Klingt so, als wollten Sie auf gar keinen Fall mit den Banken in einen Topf geworfen werden.

Banken und Versicherer sind keine Zwillinge der Finanzindustrie. Das Geschäftsmodell der Assekuranz ist ein völlig anderes. Es gibt bei uns keine dem Interbankenhandel vergleichbare Vernetzung der Unternehmen. Die gegenseitige Abhängigkeit ist also viel geringer. Dann betreiben wir keine Geldschöpfung wie die Banken, uns fehlt also die Staatsnähe. Wir wickeln auch keinen Zahlungsverkehr ab. Die Prämieneinnahmen unserer Kunden geben uns Stabilität. Wir sind daher viel weniger anfällig für Liquiditätsrisiken, die das Bankensystem so akut bedroht hatten. Die Kapitalisierung der Assekuranz vor und während der Krise entsprach den eingegangenen Risiken.

Aber derzeit geht es bei allen Regulierungsplänen um eine Verbesserung der Kapitalisierung, sei es bei Versicherer mit Solvency II oder bei Banken mit Basel II.

Erst einmal möchte ich feststellen, dass die Krise den prinzipien- und risikobasierten Ansatz von Solvency II grundsätzlich bestätigt hat. Das hilft Branche, Aktionären, Mitarbeitern und Kunden. Wir verdanken die vergleichsweise gute Position der umfassenden Berücksichtigung aller relevanten Risiken, so wie das die Solvency-II-Prinzipien vorsehen.

Das müssen Sie erklären.

Solvency II erfasst sämtliche Risiken eines Versicherers, während Basel II, der bisherige Bankenstandard, wesentliche Risiken nicht genügend erfasst hat – wie etwa außerbilanzielle Geschäfte, aber auch die Liquiditätsrisiken. Die Risiken der Versicherer werden einheitlich betrachtet, das heißt über einen Einjahreshorizont mit einer konsistenten Methode. Das führt zu einer besseren Vergleichbarkeit. Basel II hat für verschiedene Risiken unterschiedliche Risikomessgrößen verwendet, mit teilweise sehr kurzen Zeithorizonten und unterschiedlichen Bewertungsansätzen. Weil viele Versicherer Kernelemente von Solvency II bereits umgesetzt hatten, hat die Branche die Krise besser bewältigt.

Dennoch wird diskutiert, ob bei Solvency II infolge der Krise noch draufgesattelt werden muss.

Natürlich kann auch Solvency II noch verbessert werden. Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Aber man muss sehr genau prüfen, wo wirklich noch Handlungsbedarf besteht, und der Versuchung widerstehen, in Aktionismus zu verfallen.

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