Nach Chefwechsel: Fusionsspekulation um Bear Stearns entfacht

Nach Chefwechsel
Fusionsspekulation um Bear Stearns entfacht

Der Wechsel auf dem Bear-Stearns-Chefsessel bringt der von der Kreditkrise gebeutelten Investmentbank keine Atempause: Nun machen bereits Spekulationen über eine Übernahme die Runde. Denn dass mit Alan Schwartz ein Fusionsexperte den CEO James Cayne ablöst, deuten viele Analysten als Signal der Offenheit gegenüber Angeboten.

HB NEW YORK. Allerdings dürften Interessenten vorerst noch Abstand von der Nummer fünf der Branche in den USA halten, weil sie im riskanten Geschäft mit schlecht besicherten Hypotheken weitere Abschreibungen und gerichtliche Nachspiele befürchten, hieß es an der Wall Street.

Mit dem Abgang von Cayne setzt sich das Stühlerücken in den Chefetagen großer US-Banken fort, die im Strudel der Hypothekenkrise gigantische Verluste verbuchen mussten. Auch Branchenprimus Citigroup und Merrill Lynch wechselten bereits ihre Chefs aus.

Cayne gibt nach 15 Jahren an der Spitze von Bear Stearns die Verantwortung für das Tagesgeschäft ab, soll jedoch das Direktorium weiter leiten. Cayne steht seit dem Zusammenbruch zweier Hedgefonds im Sommer unter Druck. Zum Verhängnis wurden ihm schließlich massive Verluste im Kreditgeschäft, die dem Geldhaus im vierten Quartal den ersten Verlust der Firmengeschichte einbrockten. Der 73-Jährige war zudem in die Kritik geraten, weil er Medienberichten zufolge inmitten der Krise seine Zeit mit Golf und Bridge verbrachte.

Cayne hatte die Konzernführung 1993 übernommen und seitdem die jährlichen Einnahmen der Bank auf sieben Mrd. Dollar mehr als verdreifacht. Mit Schwartz folgt ihm ein Manager, der in den 90er Jahren bei einigen der größten Firmenübernahmen der damaligen Zeit als Berater mitwirkte. Angesichts wachsender Übernahmespekulationen am Markt kündigte er umgehend nach seiner Ernennung an, nicht auf eine Offerte warten zu wollen, um die Bank wieder auf Kurs zu bringen. "Übernommen zu werden, ist nicht meine Strategie", sagte Schwartz zu Reuters. Sein Ziel sei, die Bank zu einer hohen Rentabilität zurückzuführen und das Wachstum des Finanzkonzerns in Übersee voranzutreiben.

Der 57-jährige Schwartz, der bis zu einer Armverletzung auf dem Sprung zum Baseball-Profi war, kam 1976 zu Bear Stearns und leitete seit 1985 die Investmentbanking-Sparte. Einen Namen in der Branche machte er sich vor allem mit seiner Beratertätigkeit bei Walt Disneys 19 Mrd. Dollar schweren Übernahme von Capital Cities/ABC im Jahr 1996.

Die Anleger dürften Schwartz vor allem daran messen, ob es ihm gelingt, dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen: Bear-Stearns-Papiere büßten im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte ihres Wertes ein. Zudem muss er beweisen, dass das Immobiliengeschäft der Bank keinen irreparablen Schaden erlitten hat. Denn schon in guten Zeiten hatten Analysten der Bank vorgeworfen, nicht ebenso breit aufgestellt zu sein wie die Konkurrenz, etwa der größere Rivale Goldman Sachs.

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