Nach Gewinneinbruch: Boni der Deutschen Bank stoßen auf Kritik

Nach Gewinneinbruch
Boni der Deutschen Bank stoßen auf Kritik

Deutschlands führendes Geldinstitut erleidet 2012 einen herben Gewinneinbruch. Dennoch schüttet die Deutsche Bank wieder hohe Boni aus, vor allem an Investment-Banker. Das passt nicht zum Kulturwandel, meinen Kritiker.
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Frankfurt/DüsseldorfDie deutsche Bank propagiert den Kulturwandel – weg von hemmungsloser Zockerei und Selbstbedienungsmentalität hin zu verantwortungs- und maßvollem Geldgeschäft. Die neue Doppelspitze, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, geht dabei auch den Mitarbeitern ans Geld. Bonuszahlungen sollen stärker an langfristigen Zielen und die Einhaltung von Richtlinien für verantwortungsbewusstes Geschäft gekoppelt werden.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass es mit dem versprochenen Neuanfang noch hapert. Politiker, Aktionäre und auch die Mitarbeiter vermissen ein echtes Umdenken. Vor allem der Bonus-Pool, gefüllt mit 3,2 Milliarden Euro, stößt auf Unverständnis, liegt doch der Gewinn der größten deutschen Bank für das vergangene Jahr mit 665 Millionen Euro nach Steuern deutlich unter diesen 3,2 Milliarden. Zudem entstand im vierten Quartal ein Verlust von 2,2 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Während die Bonus-Zahlungen für 2012 nur um elf Prozent niedriger ausfallen, brach der Gewinn gegenüber dem Geschäftsjahr 2011 um 85 Prozent ein. Anders ausgedrückt beziffern sich die Bonuszahlungen auf rund 230 Prozent des Gewinns vor Steuern. Das Verhältnis von variabler Vergütung zum Reingewinn beziffert sich auf 450 Prozent.

Im Vorjahr erwirtschaftete das Geldhaus noch einen höheren Gewinn. Entsprechend moderat fiel das Verhältnis natürlich aus. So stand 2011 einem Bonustopf von 3,6 Milliarden Euro ein Nachsteuergewinn von 4,3 Milliarden gegenüber. Dementsprechend bezifferte sich das Verhältnis der variablen Ausschüttung zum Vorsteuergewinn nur auf 67 Prozent.

"Das ist ein Beleg dafür, dass der versprochene Kulturwandel nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil werden in unverantwortlicher Art und Weise absurd hohe Bonuszahlungen geleistet. Dabei muss man bei einem Gewinneinbruch von mehr als 80 Prozent doch fragen: wofür eigentlich?", meint Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig, der zum Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gehört. Er verlangt radikale Schnitte. "Es bleibt richtig, das absurde, zu Fehlanreizen führende Bonussystem in dieser Form endlich abzuschaffen", fordert Machnig.

In Aufsichtsratskreisen heißt es zur Entschuldigung, die Bank habe sich bei der Vergütung an den Wettbewerbern orientiert. Doch im Vergleich mit den Top-Investmentbanken zeigt sich: Die Deutsche Bank gibt sich keineswegs bescheiden, was den Anteil der Personalausgaben an den Nettoerträgen betrifft.

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