Nach Calyon erlebt jetzt eine zweite, von Genossenschaftsbanken dominierte Investmentbank ihr Waterloo: Natixis
, Tochter der Groupe Caisse d?epargne und Groupe Banque Populaire will ihr Kapital um 3,7 Mrd. Euro erhöhen, teilte die Bank mit. Ursache sind neue Verluste im Zuge der Finanzkrise, die sich allein im zweiten Quartal auf 1,5 Mrd. Euro belaufen.
PARIS. Nach tagelangen Gerüchten um Probleme bei Natixis
reagierte die Börse gestern erleichtert und bescherte der Aktie ein Plus von rund elf Prozent. Beruhigend wurde vor allem aufgenommen, dass die beiden genossenschaftlichen Großaktionäre bereit sind, die Kapitalerhöhung zu 100 Prozent zu garantieren.
Natixis
soll nun auf weniger riskante Geschäftsbereiche wie Vermögensverwaltung konzentriert werden, hieß es. "Die Kapitalerhöhung schließt nun einige Hypothesen aus, die jüngst auf der Aktie gelastet haben, wie etwa die Sorge vor einem Zusammenbruch", kommentierten die Analysten des Brokers CM-CIC Securities.
Natixis
ist nun bereits die zweite Investmentbank, die von einer genossenschaftlichen Bankengruppe dominiert wird und die mit ihrer Aufholstrategie scheitert. Auch Crédit Agricole
hatte versucht, mit der Tochter Calyon im Investment-Banking zu Wettbewerbern wie BNP
Paribas oder auch der Deutschen Bank
aufzuschließen. Sowohl bei Calyon als auch bei Natixis
ist das Ergebnis der Aufholjagd ein milliardenteures Desaster, für das nun die genossenschaftlichen Regionalbanken geradestehen müssen.
Das Spitzeninstitut von Crédit Agricole
hatte nach Milliardenverlusten im Investment-Banking dank der Hilfe der Regionalbanken bereits mit Erfolg sein Kapital um 5,9 Mrd. Euro erhöht. Nun muss Natixis
seine Großaktionäre Caisse d?epargne und Banque Populaire zu Kasse bitten. Sie hatten 2006 in Natixis
ihre Investment-Banking- und Vermögensverwaltungsaktivitäten eingebracht.
Ähnlich wie Calyon wird nun auch Natixis
auf weniger riskante Geschäftsbereiche zurückgefahren. Damit geben die Kreditgenossen den Anspruch auf, im Investment-Banking in der ersten Liga mitspielen zu wollen. Die Analysten von CM-CIC Securities werteten die Ankündigung positiv, dass Natixis
nun primär eine Art Produktfabrik für die beiden Filialnetze der Großaktionäre werden soll. Denn damit sinkt das Risikoprofil der Bank. Zudem bekräftigte Natixis
, im Jahr 2009 die Kosten um 400 Mill. Euro senken zu wollen.
Natixis
ist vor allem von den Problemen der US-Kreditversicherer, den Monolinern, betroffen. Das Problem: Im Zuge der Finanzkrise häufen sich die Zahlungsausfälle bei Anleihepapieren; für diese Ausfälle sollen die angeschlagenen Kreditversicherer geradestehen. Im Zuge dieser Dynamik stieg die Exposition von Natixis
gegenüber den Monolinern von 2,1 Mrd. Euro Ende März auf 2,4 Mrd. Euro Ende Juni.
Das Desaster von Natixis
hat für die Caisse d?epargne und die Banque Populaire nicht nur finanzielle Folgen. Im Zuge des Börsengangs von Natixis
im Sommer 2006 hatten die Berater der beiden genossenschaftlichen Bankengruppen die Natixis
-Aktien ihren Kunden in das Depot gedrückt. Entsprechend sauer sind nun die Kleinanleger.
Denn die Natixis
-Aktie hat allein in diesem Jahr fast zwei Drittel ihres Wertes verloren. Beim Verband der französischen Bankkunden sind daher bereits Hunderte Beschwerden eingegangen. Für den Herbst sollen Klagen vorbereitet werden. Die Aktionärsschützer des Verbandes Adam wollen die Börsenaufsicht AMF einschalten.
Offen ist noch, ob das Desaster bei Natixis
nun auch personelle Konsequenzen haben wird. Schon nach den schlechten Quartalszahlen vom März galt Geschäftsführer Dominique Ferrero als angezählt. Natixis
-Vorstandschef ist indes Philippe Dupont - der mächtige Chef der Groupe Banque Populaire.

