Neue Regelung in England: Boni in Gefahr

Neue Regelung in England
Boni in Gefahr

Auch Banker, die ihren Arbeitgeber wechseln, müssen mit der Rückforderung neuer Prämien rechnen, wenn sich ihre alten Geschäfte als verhängnisvoll herausstellen. Doch ist das in der Praxis umsetzbar?

LondonFür britische Banker, die auf Grund von Fehltritten um ihre Boni fürchten, gibt es bisher noch einen Ausweg aus der Klemme. Sie können ihre Prämie oder zumindest einen Teil davon retten, indem sie rechtzeitig den Arbeitgeber wechseln.Üblicherweise vereinbaren sie dann mit der neuen Bank beim Jobantritt ein Vergütungspaket, das auch Ansprüche auf Boni abdeckt, die die alte Firma ansonsten erst mit Verzögerung oder gar nicht ausgezahlt hätte, wenn im Nachhinein Verfehlungen ans Tageslicht gekommen wären.

Die bei der Bank of England angesiedelte Bankenaufsicht Prudential Regulation Authority (PRA) will dem jetzt einen Riegel vorschieben. Individuen sollen in jedem Fall zur Verantwortung gezogen werden können und keine Möglichkeit haben, dem zu entgehen, sagte PRA-Chef Andrew Bailey am Mittwoch.

Geht es nach seinem Willen, sollen künftig auch Sonderzahlungen, die ein Banker beim Jobwechsel von seinem neuen Arbeitgeber erhält, zurückgefordert werden können – wenn sich die früheren Geschäfte dieses Mitarbeiters später als verhängnisvoll und verlustträchtig herausstellen sollten. Diesen Vorschlag zur Verschärfung der Bonusauflagen hat Bailey jetzt in die Debatte gebracht, um Schlupflöcher zu schließen.

Diese Regel soll für Topbanker gelten. Im Zweifelsfall können die neuen Arbeitgeber eine Befreiung des davon betroffenen Bankers von dieser Auflage durchsetzen, wenn sie diese für völlig unzumutbar halten.

Die Auflagen zur Rückforderung von Prämien fallen jetzt schon in Großbritannien deutlich strenger aus als in anderen Ländern. Wenn Topbanker gegen Vorgaben verstoßen, weil sie etwa zu große Risiken eingegangen sind, können ihre Boni unter bestimmten Bedingungen bis zu zehn Jahre nach Auszahlung zurückgefordert werden.

Es ist jedoch unter Juristen umstritten, ob der neueste Vorstoß der Bankenaufsicht, bei dem Führungskräfte Prämien eines neuen Arbeitgebers im Falle von Verfehlungen bei ihrer alten Firma zurückzahlen müssen, wirklich funktionieren kann. Denn dabei müssten der neue und der alte Arbeitgeber möglicherweise sensible Informationen über Entscheidungen des betroffenen Mitarbeiters austauschen, warnen Fachleute. Und das könnte sich in der Praxis als nicht durchführbar erweisen.

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