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06.02.2008 
Frühwarnsystem

Neue Rolle für den Währungsfonds

von Robert Landgraf

Die Finanzindustrie steht vor einschneidenden Veränderungen. Banker fordern, der Internationale Währungsfonds (IWF) müsse ein Frühwarnsystem für die Finanzmärkte aufbauen. Die Abwehr von Finanzkrisen soll auch Thema beim Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) am Wochenende in Tokio sein.

FRANKFURT. Das vorherrschende Kästchendenken unter Banken, Aufsehern, Notenbanken und den verschiedenen Staaten funktioniere nicht mehr, sagt Gerd Häusler, Vizechef der Investmentbank Lazard International und ehemaliger oberster Kapitalmarktexperte des Internationalen Währungsfonds (IWF). Da das Risikomanagement einiger großer Banken versagt habe, fordert er ein Bündel von Maßnahmen und sieht Chancen, dass der IWF in eine Rolle als Frühwarnstelle schlüpft.

„Die Erfahrung zeigt, dass nur Transparenz Vertrauen schafft und Märkte ohne ein Mindestmaß an Vertrauen nicht funktionieren können“, sagt Häusler. Das Modell, Kredite zu verpacken, zu verbriefen und im weltweiten Finanzsystem zu verteilen, sei offenbar nicht so wirkungsvoll wie erhofft, urteilt Frank Mattern, Deutschland-Chef des Beraters McKinsey. Insbesondere Investmentbanken mussten Milliarden abschreiben. Das wirkt sich auf das Vertrauen aus, wie eine Befragung des Center for Financial Studies in Deutschland zeigt. Danach gehen drei Viertel der Befragten davon aus, dass auch nach der Veröffentlichung der Jahresabschlüsse mit weiteren Belastungen 2008 zu rechnen ist.

Dieses Vertrauen könnte durch ein Frühwarnsystem des IWF wieder aufgebaut werden. Häusler sieht zwei große Vorteile, die der Fonds bietet: Er sei global aufgestellt, und seine Delegationen reisten regelmäßig in die verschiedenen Länder, um über die Situation im Finanzbereich zu diskutieren. Allerdings hält der Experte große Anstrengungen für nötig, damit Analysen des Fonds die Aufgabe einer Frühwarnstelle übernehmen können: „Die einzelnen Mitgliedsländer müssen dem IWF wichtige, sensitive Informationen über ihr nationales Finanzsystem zur Verfügung stellen.“ Außerdem sei ein radikaler Umbau der Kultur innerhalb des IWF nötig. Die Expertise im Bereich Finanzmärkte müsse dann „in jeder Beziehung gleichberechtigt“ neben der klassischen Makroökonomie stehen, die bislang das Denken und Handeln des Fonds komplett dominiere.

Auch Finanzstaatssekretär Thomas Mirow sieht eine stärkere Rolle des IWF bei der Abwehr von Finanzkrisen. Das werde ein wichtiges Thema beim Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) am Wochenende in Tokio sein.

Neben dem IWF kommt den Ratingagenturen eine wichtige Rolle bei den Reformen zu. Häusler sieht sie in der Pflicht, mehr Transparenz zu zeigen. Manchmal sei es nötig, bei gewissen Wertpapieren die Gefahren noch einmal deutlich auf die Ratinganalyse zu schreiben. „Nicht umsonst steht auf Zigarettenschachteln: Rauchen kann tödlich sein. Ähnliches gilt im übertragenen Sinn auch für extrem komplexe und kaum zu verstehende Wertpapierkonstruktionen“, sagt der Banker. Zudem sollte es künftig etwa für Staatsanleihen eine andere Nomenklatur, andere Ratingnoten geben als etwa für verpackte Wertpapiere. Die beiden Anlageklassen seien in ihrer Beschaffenheit, vor allem bezüglich der Liquidität, nicht vergleichbar. Liquidität sei der „tote Winkel“ im Finanzsystem. Deswegen sei bei gewissen Wertpapierarten ein Liquiditätsabschlag überlegenswert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Häusler sieht Reformbedarf.

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