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11.12.2006 

Ein regelrechtes Comeback gibt es für Morgan im Private-Equity-Geschäft. Nur zwei Jahre nachdem sich die Bank aus diesem Feld verabschiedet hatte, um mögliche Interessenkonflikte und Risiken zu vermeiden, geht Mack jetzt wieder selbst auf Firmenjagd. Konflikte mit den Kunden im Beratungsgeschäft des Investment-Bankings stören ihn dabei nicht. "In unserem globalen Geschäft wird es immer Konflikte geben. Es kommt auf die richtige Balance an", hat der Konzernchef seinen Managern kürzlich ins Stammbuch geschrieben. Die Konkurrenz von Goldman handelt schon lange nach der gleichen Maxime. Das eigene Private-Equity-Geschäft hält Mack deshalb auch nicht davon ab, anderen Firmenjägern bei der Finanzierung ihrer Milliardentransaktionen zu helfen. Von den Branchengrößen KKR und Blackstone war zuletzt nur Gutes über die Zusammenarbeit mit Morgan zu hören. "Sie wandeln sich", sagte KKR-Gründer Henry Kravis der "Business Week". So hat die Investmentbank unter anderem den fünf Milliarden Dollar schweren Börsengang eines KKR-Fonds in Amsterdam begleitet.

Die meisten Mitarbeiter empfinden Macks Kulturrevolution offenbar wie eine Befreiung. Selbst Starmanager wie der Kapitalmarkt-Spezialist Jon Anda, der im Machtkampf mit Purcell das Weite gesucht hatte, sind zu Morgan zurückgekehrt. Um seine Talente bei der Stange zu halten, hat Mack außerdem ein neues Anreizprogramm eingeführt. Wer mindestens 500 000 Dollar im Jahr verdient, kann mit Hilfe der Bank sein Geld in Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds anlegen. So steckt der Chef seinen Mitarbeitern das Risikobewusstsein noch mit in die Gehaltstüte.

Das Rezept scheint zu wirken. Im dritten Quartal des laufenden Jahres übertraf Morgan mit einem Reingewinn von 1,85 Mrd. Dollar nicht nur die Erwartungen der Wall Street, sondern schnitt auch besser ab als die Konkurrenz. Auch an der Börse hat die Bank aufgeholt. Vom "Goldstandard" ist Mack jedoch immer noch ein Stück entfernt.

Kritiker wie Merrill-Analyst Moszkowski bezweifeln, dass Morgan mit seiner breiten Angebotspalette von Kreditkarten (Discover) über Brokerage (Dean Witter) bis hin zum Investment-Banking jemals so profitabel werden wird wie die viel stärker fokussierten Konkurrenten Goldman Sachs und Lehman Brothers. Deshalb wollen auch die Gerüchte nicht verstummen, dass Mack die Bank für eine Übernahme schmückt. Die Großbanken JP Morgan und HSBC würden vermutlich nicht Nein sagen.


Boom an der Wall Street

Gute Zeiten:

Ein blühendes Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie hohe Handelsgewinne im festverzinslichen Bereich sorgen für volle Kassen bei den Investment-Banken. "Die Fundamentaldaten sind weiterhin gut", sagt Brad Hintz, Analyst beim Investmenthaus Sanford Bernstein. Die großen Investment-Banken der Wall Street legen im Laufe der Woche ihre Zahlen für das Schlussquartal vor.

Hohe Erwartungen:

Die Analysten an der Wall Street rechnen damit, dass die großen Häuser auch im vierten Quartal ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahr nochmals gesteigert haben. Die Nase vorn hat erneut Goldman Sachs, für die der Informationsdienst Thomson Financial einen Ertragssprung von 77 Prozent voraussagt. Die meisten anderen bringen es zumindest auf zweistellige Zuwächse. Das Ergebnisplus von Morgan dürfte auf Grund von einmaligen Sondereffekten nicht ganz so hoch ausfallen.

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