0 Bewertungen
04.07.2008 
Kritik Ratingagenturen

Notenbanker setzen auf Dialog

von Andrea Cünnen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wirft den Ratingagenturen Fehler bei der Bewertung von strukturierten Anleihen vor. Im Gegensatz zu anderen Kritikern setzt sie aber nicht auf eine staatliche Regulierung der Bonitätswächter. Stattdessen gibt sie Empfehlungen wie die Ratings künftig transparenter und aussagekräftiger werden sollen.

FRANKFURT. Dabei müssten die Agenturen und die Investoren, die Ratings nutzen, eng zusammenarbeiten. Die dazu bereits eingeleiteten Schritte der Agenturen und der Aufsichtsbehörden gehen nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in die richtige Richtung.

Den Ratingagenturen - die großen sind Standard & Poor's, Moody's und Fitch - werfen Aufseher und Politiker vor, mit US-Ramschhypotheken (Subprime) besicherte strukturierte Anleihen zu lange zu gut benotet zu haben. Damit hätten sie die Risiken der Papiere verschleiert und so eine Mitschuld an den weltweiten Abschreibungen von über 400 Mrd. Dollar. Die BIZ spricht nicht von Schuld, betont aber, dass die Agenturen teils nicht genügend historische Daten gehabt hätten, um die Subprime-Bonds zu bewerten. Zudem hätten sie die Schwere des Einbruchs am US-Immobilienmarkt und dessen Auswirkungen auf strukturierte Anleihen unterschätzt.

Die BIZ schlägt vor, dass die Ratingagenturen offen legen sollen, auf welche Daten sie bei der Bewertung strukturierter Anleihen zurückgreifen und welche Aussagekraft diese haben. Außerdem sollten sie darlegen, welche konjunkturellen Prognosen den Ratings zugrunde liegen. Zeitgleich sollten die Agenturen den Investoren sagen, wie sich Änderungen dieser Prognosen auf die Ratings auswirken würden. Außerdem plädieren die Notenbanker dafür, gesonderte oder besser noch ergänzende Ratings für strukturierte Anleihen einzuführen.

Einen großen Teil dieser Vorschläge hat die internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco) bereits in ihren zuletzt verschärften Verhaltenskodex für die Ratingagenturen gemacht. EU-Binnenmarktkommissar Charles McCreevy geht dies nicht weit genug. Er wird den EU-Finanzministern in der kommenden Woche Vorschläge für gesetzliche Maßnahmen und eine externe Aufsicht vorlegen. Die Minister haben dafür bereits Zustimmung signalisiert.

Die BIZ äußert sich nicht explizit zur Regulierung. Sie betont indes, dass Investoren mit denen sie gesprochen haben, sich lediglich für eine Verbesserung der Ratingmethoden und nicht für eine staatliche Überwachung ausgesprochen hätten. Von den Investoren fordert die BIZ mehr eigene Bewertung. Die Ratings könnten den eigenen Analyseprozess nicht ersetzen. Fondsmanager sollten überdenken, wie sie Ratings nutzen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Deutsche kaufen mehr Bausparverträge  Artikel in Merkliste

10.10.2008

Die Finanzkrise bringt den Bausparkassen zusätzliches Geschäft. Auf der Suche nach sicheren Anlagen entdecken die Deutschen den Bausparvertrag wieder. Artikel


Anzeige