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27.06.2008 
Jahrestagung der BIZ in Basel

Notenbanker verlangen den Schwur

von Marietta Kurm-Engels und Klaus C. Engelen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will ihre Statuten ändern, um Interessenkonflikte zu verhindern. Anlass ist der Wechsel des bisherigen Generaldirektors Malcolm Knight zur Deutschen Bank. Ein Image-Verlust scheint unvermeidlich.

Malcolm Knights Wechsel zur Deutschen Bank sorgt für Unmut bei der BIZ. Foto: ReutersLupe

Malcolm Knights Wechsel zur Deutschen Bank sorgt für Unmut bei der BIZ. Foto: Reuters

FRANKFURT/BERLIN. Die Jahrestagung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die heute in Basel beginnt, dürfte eine der heikelsten Veranstaltungen in der jüngeren Geschichte der „Bank der Notenbanken“ werden. Der Grund: Der BIZ ist ihr bisheriger Generaldirektor Malcolm Knight abhandengekommen. Er wechselt zur Deutschen Bank. Dort wird er ab dem 6. Oktober nach nur einer Woche Übergangszeit für den Kontakt zu Notenbanken und Aufsichtsbehörden tätig werden. Die Suche nach einem Nachfolger und das Bemühen der beteiligten Notenbanker um einen Kodex, der die damit verbundenen Interessenkonflikte in Zukunft verhindert, sorgen jetzt für Zündstoff.

„Die BIZ läuft Gefahr, ihren Ruf zu beschädigen“, sagte ein Notenbanker mit langjähriger Aufsichtserfahrung dem Handelsblatt. Er ist nicht der Einzige. Auch Kollegen reagieren auf den nahtlosen Übergang des BIZ-Chefs zur Deutschen Bank bestürzt. Sie fordern „rasches Handeln“ und weisen darauf hin, dass Knight nicht der erste Fall ist. Sein Vorgänger Andrew Crockett war 2003 zur Investmentbank JP Morgan gewechselt, allerdings erst sechs Monate nach Auslaufen seiner Amtszeit. „Wenn nach Crockett gehandelt worden wäre, wäre das jetzt nicht passiert“, sagte ein Notenbanker. „Der Verwaltungsrat oder das BIZ-Management hätte damals aktiv werden müssen.“

Die Kritik richtet sich vor allem an Jean-Pierre Roth, der als Präsident der Schweizerischen Nationalbank und Vorsitzender des Verwaltungsrats der BIZ eine Schlüsselrolle einnimmt. Er ist qua Amt Vorsitzender des „Nominierungskomitees“ und damit jenes Ausschusses, dessen Mitglieder einen Nachfolger für Knight finden müssen. Roth wäre auch zuständig für eine Anpassung der BIZ-Statuten. Dem Wunsch der anderen Notenbanker folgt er bislang aber nicht. „Die BIZ-Statuten sehen keine Sperrfrist vor. Dies entspricht auch der Praxis anderer internationaler Finanzorganisationen“, teilte er auf Anfrage des Handelsblatts mit.

Der drohende Ansehensverlust der BIZ dürfte es erschweren, einen Nachfolger zu finden. Wie aus dem Baseler Notenbankturm und aus Kreisen europäischer Notenbanken und Aufsichtsbehörden verlautet, gibt es für die BIZ-Spitze mindestens zwei Favoriten: Jaime Caruana, den ehemaligen spanischen Notenbankgouverneur und Vorsitzenden des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, und Italiens dynamischen Notenbankchef Mario Draghi.

„Caruana und Draghi“, sagt ein Notenbanker, „haben drei Qualifikationen, die für einen Generaldirektor der zunehmend global ausgerichteten BIZ vorteilhaft sind: Verwurzelung im Apparat des Internationalen Währungsfonds (IWF), langjährige gute Beziehungen zu den USA sowie administrative Erfahrungen als Notenbankgouverneure.“

Würde Caruana eine Baseler Offerte akzeptieren, ist noch nicht sicher, ob ihm die sieben führenden Industrieländer (G7) auch den Vorsitz des mit der BIZ verbundenen globalen Aufsehergremiums „Financial Stability Forums“ (FSF) anbieten werden. „Das hängt davon ab, ob Draghi, der diese Aufgabe gut macht, sie aufgeben möchte“, heißt es von deutscher Seite.

Ebenfalls gehandelt wird Knights Stellvertreter, der aus der Banque de France stammende Herve Hannoun. Auf der Liste eines BIZ-Insiders steht ferner Philipp Hildebrand, Vizepräsident der Schweizer Nationalbank, der als früherer Investmentbanker über gute Beziehungen zur Bankenwelt verfügt. Als Kandidat für den Posten eines „BIZ-Generals“ taucht aber auch ein deutscher Name auf: Hermann Remsperger, Vorstandsmitglied der Bundesbank. „Unter dem Aspekt, dass mal wieder ein Deutscher diesen Posten einnehmen sollte“, heißt es, „wäre Remsperger ein Kandidat, den Deutschland präsentieren könnte.“

Wer auch immer kommt – er wird als Erstes den bislang tadellosen Ruf der BIZ wieder aufpolieren müssen. „Die BIZ war bisher das Heiligtum der Zentralbankwelt“, erklärt Sigurt Vitols, Governance-Experte des Berliner Wissenschaftszentrums. „Sie ist eine streng nach außen abgeschirmte Institution, unter deren Dach Notenbanker aus allen Teilen der Welt streng vertrauliche geld- und zinspolitische Entscheidungen erörtern.“ Und sie diene als Sammelstelle für eine Vielzahl interner Daten über Tausende einzelner Finanzinstitute. Sie würden der BIZ von nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden streng vertraulich zugeleitet. Diese Tradition sollte die BIZ schützen. mak/egl

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