Obergrenzen-Debatte: „Bargeld wird verschwinden“

Obergrenzen-Debatte
„Bargeld wird verschwinden“

Der Vorstandschef der Direktbank ING-Diba rechnet langfristig mit einem Ende von Münzen und Scheinen. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Mehrzahl Deutschen will darauf so schnell nicht verzichten.

Frankfurt am MainDer Vorstoß der Bundesregierung, Obergrenzen für Barzahlungen einzuführen, stößt in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Wie sehr die Deutschen an Münzen und Scheinen hängen, zeigt nun auch eine repräsentative Umfrage von TNS-Emnid für das Nachrichtenmagazin „Focus“, die am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach wollen 79 Prozent der Deutschen nicht auf Bargeld verzichten. Nur jeder Fünfte, genauer 21 Prozent, der gut 1000 Befragten könnte sich ein bargeldloses Leben vorstellen.

Der Vorstandschef der ING Diba geht dennoch davon aus, dass Bargeld langfristig keine Zukunft hat. „Bargeld wird verschwinden, aber es wird sehr lange dauern“, sagte Roland Boekhout auf der Jahrespressekonferenz der Direktbank, der drittgrößten Privatkundenbank in Deutschland.

Er ist damit der zweite Top-Banker, der mit einem Ende der Bargeld-Ära rechnet. Vor wenigen Wochen erst hatte der Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Prognose gewagt: „In zehn Jahren wird Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren.“ Der Grund: Bargeld sei „einfach schrecklich ineffizient“.

Auch wenn Boekhout Cryan in der Sache recht gibt – was den Zeitraum anbelangt, ist er wesentlich vorsichtiger. In Deutschland spiele Bargeld noch immer eine wichtige Rolle, seine Bedeutung sei zuletzt sogar noch gewachsen. Man könne die Bürger zudem nicht zwingen, auf Bargeld zu verzichten. Er warnt: „Wenn man Bargeld zu schnell abschaffen würde, könne es passieren, dass die Bürger das Vertrauen in die Währung verlieren.“

Bislang hat die Bundesregierung nur von der Einführung von Obergrenzen gesprochen. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken stößt das auf Kritik. „Im Interesse der Kunden und des Datenschutzes muss auch in Zukunft die hohe Flexibilität bei der Wahl der Zahlungsverfahren beibehalten werden“, sagt der Präsident des Bundesverbands deutscher Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich. „Eine Begrenzung des Bargeldeinsatzes, wie aktuell diskutiert, wirft auch die grundsätzliche Frage auf, ob hiermit nicht in die bürgerliche Freiheit eingegriffen wird“, sagt er.

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