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30.06.2006 
Bankenskandal

Österreich rechnet ab

von Oliver Stock

Die Bawag hat Spekulationsverluste nur ausgleichen können, indem sie auf die Streikkasse der Gewerkschaft, der sie gehört, zurückgegriffen hat. Damit hat sie einen Skandal ausgelöst, der mit dem um die „Neue Heimat“ in Deutschland vergleichbar ist.

WIEN. Für einige österreichische Banker verläuft das Jahr 2006 rabenschwarz. Das liegt nicht etwa an schlechten Ergebnissen, sondern daran, dass ein Thema alle anderen überschattet: Die viertgrößte Bank des Landes, die Bawag, hat Spekulationsverluste nur mit einem Rückgriff auf die Streikkasse der Gewerkschaft, der sie gehört, ausgleichen können. Damit hat sie einen Skandal ausgelöst, der mit dem um die „Neue Heimat“ in Deutschland vergleichbar ist.

Seit der Vorgang im Frühjahr unter Mithilfe ausländischer Ermittler bekannt wurde, wird in Österreich abgerechnet. Auch die Handelsblatt-Tagung zum Bankenmarkt Österreich, die noch bis heute in Wien über die Bühne geht, steht unter diesem Eindruck.

Die Bawag selbst rechnet mit ihrem Ex-Chef Helmut Elsner ab. Einen Schuldigen muss sie präsentieren, weswegen sie jetzt Schadensersatz von Elsner verlangt. Genüsslich werden in der Öffentlichkeit pikante Details ausgebreitet: Etwa die Golfmitgliedschaft Elsners, die die Bank bezahlte. Oder die ebenfalls bezahlte Stromrechnung für eine Penthouse-Wohnung inklusive Pool, der als Löschteich deklariert war. Oder das Wasserbett, das er sich bei einer Geschäftsreise nachliefern ließ.

Die Regierung ihrerseits nutzt den Bawag-Skandal, um vor den Wahlen im Herbst mit der Opposition abzurechnen: Die Bawag hat den österreichischen Gewerkschaftsbund und damit gleich die oppositionellen Sozialdemokraten in ein Jammertal gestürzt. Der konservative Kanzler Wolfgang Schüssel präsentierte sich im Mai als Retter und sagte ein 900 Mill. Euro schweres Hilfspaket für die strauchelnde Bawag zu.

Dass der Segen der Wettbewerbshüter in Brüssel aussteht, kümmert den Retter nicht. Es dürfte allerdings mögliche Käufer kümmern. Die Gewerkschaft muss die Bank verkaufen, weil sie selbst in einer Finanzkrise steckt. Ob die Bank unter diesen Umständen schnell den Besitzer wechselt, ist zweifelhaft. Heute soll sich immerhin entscheiden, ob die US-Gläubiger aus der Refco-Beteiligung einem Vergleich zustimmen.

Auch die österreichischen Oppositionsparteien beziehen in Sachen Banken Stellung: Die Hypo Alpe-Adria-Bank, an der das vom erzkonservativen Landeshauptmann Jörg Haider regierte Bundesland Kärnten, die Mehrheit hält, hat Millionenverluste verschleiert. Was hätte Haider wissen müssen, fragen die Sozialdemokraten, während der Staatsanwalt die Ermittlungen aufgenommen hat. Ergebnisse und eine Reaktion der Bank darauf sollen in den nächsten Tagen präsentiert werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Erfolg im Schatten der Skandale.

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