Glas, wohin man schaut, doch gläsern ist etwas anderes: Der Sitz der gerade verstaatlichten isländischen Kaupthing
Bank am Rande der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Eine kleine Baustelle, nicht nur drinnen, wo viele, viele schwarz- und grau-kostümierte Herren geschäftig miteinander palavern. Auch draußen vor dem Gebäude ist noch nicht der ganze Bauschutt weggekarrt worden. Kaupthing
- eine Baustelle, wohl wahr.
REYKJAVIK. Die Empfangsdamen begrüßen den Besucher mit professioneller Freundlichkeit, suggerieren Hilfsbereitschaft bei der Vermittlung eines Gesprächspartners. Doch dann verwandeln sich die freundlichen Gesichtszüge in ein hartes, unnahbares Lächeln. "Es ist niemand zu sprechen", Punkt, basta. Auch wiederholtes Nachfragen führt nicht zum Erfolg. Der isländische Staat hat die in völlige Schieflage geratene Bank erst am Donnerstag übernommen, das Management ausgetauscht, und nun soll Kassensturz gemacht werden. Das könne einige Tage dauern, erklärt eine freundliche Dame bei der Finanzaufsichtsbehörde in Reykjavik. Die hat übrigens ganz schnell eine britische PR-Agentur angeheuert, um das schwer anngeschlagene Image der Isländer als rohe, skrupellose Gesellen wieder ein wenig gerade zu biegen.
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: Er nähme sich neben dem der Deutschen Bank
in Frankfurt sehr bescheiden aus, gewiss, doch für isländische Verhältnisse ist es ein stattliches Gebäude. Glas, Holz, Metall - und der Blick auf Nordatlantik und gewaltige Berge flößt Respekt ein. Den allerdings lässt das jetzige Mangement noch vermissen. Denn es sind nicht nur lästige Journalisten, die sich hier Informationen aus erster Hand versprechen. Zehntausende Sparer in vielen europäischen Ländern fordern Aufklärung, was mit ihren Spåareinlagen geschehen wird. "Einige Tage" könne es wohl noch dauern, bis man das ganze Chaos der isländischen Bankenlandschaft einigermaßen überblicken werde, sagt die Finanzaufsicht. Welche Garantien wo gelten - niemand weiß es. Geduld ist also angesagt. Am Hauptsitz von Kaupthing
in Reykjavik dürfte es ein arbeitsames Wochenende werde.

