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09.04.2008 
Kunden vor verschlossenen Türen

Operation gescheitert, Bank tot

Erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Jahr ist eine deutsche Bank pleite. Die vergleichsweise kleine Bremerhavener Weserbank musste auf Geheiß der Finanzaufsicht Bafin ihre Pforten schließen. Der Grund: Eine Gruppe von Kapitalmarktexperten hat sich mit dem Umbau des ehemals auf Privatkunden spezialisierten Hauses zu einer Investmentbank verzockt.

Kunden stehen am Mittwoch vor der geschlossenen Weserbank in Bremerhaven. Foto: dpaLupe

Kunden stehen am Mittwoch vor der geschlossenen Weserbank in Bremerhaven. Foto: dpa

ben/HB FRANKFURT/BREMERHAVEN. Die Bankenaufsicht (Bafin) hat nach eigenen Angaben wegen Überschuldung einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht für das 1912 gegründete Haus gestellt und alle Konten eingefroren. Die Weserbank mit ihren 2 800 Kunden ist damit zugleich das erste Kreditinstitut, das seit Ausbruch der aktuellen Finanzmarktkrise nicht von der Branche gerettet wird. Um ihre Einlagen müssen die Kunden nicht bangen, da das Institut Mitglied im Sicherungsfonds ist. Die Höhe der Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden beträgt der Bafin zufolge rund 24,9 Millionen Euro.

Kunden des Instituts, das im vergangenen Jahr rund 4,5 Millionen Euro Verluste schrieb, standen am Mittwoch in Bremerhaven vor verschlossenen Türen. Die Bank informierte lediglich über einen Papier-Aushang über die Lage. Telefonisch war die kleine Privatbank nicht zu erreichen, auch die Homepage im Internet war abgeschaltet. „Die Auswirkungen der Finanzkrise an den Kapitalmärkten sowie anhaltende strukturelle Risiken im Kundenkreditgeschäft machen diesen Schritt erforderlich“, hieß es in dem Aushang.


Bildergalerie Bildergalerie: Bankenpleiten und -beinahepleiten der vergangenen Jahrzehnte


Gerold Lehmann, Vorstandschef und Miteigentümer der Bank, sieht in der aktuellen Finanzmarktkrise den Grund für das Aus. „In einem normalen Marktumfeld hätte die Bank niemals geschlossen werden müssen“, sagte Lehmann. So hätten Anleihen im Anlagebestand dramatisch an Wert verloren, was auf Basis von Marktpreisen zu Wertkorrekturen führte. Zudem habe die Krise die Zahl der Börsengänge deutlich reduziert. „Das hat uns ebenfalls schwer getroffen“, sagte Lehmann. Gespräche mit zahlreichen potenziellen Käufern seien im aktuellen Marktumfeld alle gescheitert.

Bei der Bafin wollte den Zusammenhang zur Finanzmarktkrise nicht so deutlich formulieren. „Das Geschäftsmodell war letztlich nicht gut genug, um in der aktuellen Krise zu bestehen", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Die Bank habe ihr Geschäftsmodell umgestellt und sei daraufhin nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft Erträge zur Deckung der laufenden operativen Kosten zu erwirtschaften. Daraus habe sich letztendlich die Überschuldung ergeben. In Bankenkreisen hieß es, die Eigentümer um den Ex-UBS-Banker Lehmann hätten sich mit der Idee verzockt, die Bank 2006 neu auf das Kapitalmarktgeschäft auszurichten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was der Bank zum Verhängnis wurde

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