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06.08.2007 
IKB-Krise

Orkan der Angst

von Sven Afhüppe, Nicole Bastian und Regine Palm

Die Krise um die Düsseldorfer Industriebank IKB zeigt Schwachstellen im Finanzsystem auf – und eine überall grassierende Angst vor der Angst. Auch nach der konzertierten Rettungsaktion gibt es keine Sicherheit. Die Chronik einer Fast-Katastrophe und ihre Folgen.

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Wer wusste wann von den Risiken? Foto: dpaLupe

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Wer wusste wann von den Risiken? Foto: dpa

BERLIN/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Es ist Samstagnacht, als drei Dutzend Fax-Geräte in Deutschland das gleiche Schreiben ausspucken: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kündigt den Mitgliedern des Verwaltungsrats der Staatsbank KfW eine kurzfristige Telefonkonferenz an. Unter einer Frankfurter Nummer sollen sich alle Vertreter des Kontrollgremiums am nächsten Tag, Sonntag, um drei Uhr nachmittags einwählen.

Nur vage informiert Steinbrück als Chef des KfW-Verwaltungsrats die anderen Mitglieder darüber, dass es sich bei dem Notruf um Kreditschwierigkeiten der IKB handelt. Also jener auf den Mittelstand fokussierten Düsseldorfer Bank, bei der die KfW mit knapp 38 Prozent größter Einzelaktionär ist.

Was dann am Sonntag vor einer Woche und danach folgt, ist die milliardenschwere Rettung einer als grundsolide geltenden Bank. Es folgen Tage, an denen die Märkte zittern, an denen davon die Rede ist, dass eine der größten Bankenkrisen in der deutschen Geschichte vermieden wurde. Tage, an denen mit jedem bisschen Wahrheit, das über die Probleme und die Rettung zutage kommt, mehr Fragen auftauchen:


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Wie konnten Risiken, die jahrelang kein Thema waren, über Nacht zur Existenzgefährdung der Düsseldorfer Mittelstandsbank werden? Hat die Aufsicht versagt? Wer ist die nächste Bank? Der Fall IKB zeigt Schwachstellen in der Risikokontrolle, zeigt die derzeit überall grassierende Angst vor der Angst. Die Chronik einer Fast-Katastrophe.

Es ist das Jahr 2002. In Deutschland lahmt das Kreditgeschäft. Das spürt auch der führende Finanzierer deutscher mittelständischer Unternehmen, die IKB. Also ersinnen die Banker neue Ertragsquellen. Sie wollen im Ausland stärker wachsen – und zwar nicht nur mit Export- oder Projektfinanzierungen wie zuvor, sondern auch mit der Verbriefung von Kreditforderungen: Sie verkaufen Kreditrisiken über Schuldverschreibungen am Kapitalmarkt.

Dieser Schritt leitet die Schicksalswende für das Institut ein, in dem man stolz ist auf seine Tradition. Die Zentrale in der Wilhelm-Bötzkes-Straße im Norden Düsseldorfs ist nach dem ersten Vorstandschef benannt. Auf dem breiten Gang hinter den hohen Mauern aus grauem Beton reihen sich die Porträts der ehemaligen Vorstandsvorsitzenden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch wenn die IKB klein ist, ihre Chefs sind in der Firmen- und Finanzwelt hochangesehen.

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