Die größten österreichischen Banken haben ihre Gewinne gesteigert. Die guten Zahlen und vor allem die intakten Wachstumsaussichten schöpfen dabei alle aus einer Quelle: ihrem Engagement in Osteuropa.
WIEN. Die drei größten österreichischen Banken haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient. Am Donnerstag hat mit der börsennotierten Raiffeisen-Tochter Raiffeisen International (RI) nach dem Sparkassen-Spitzeninstitut Erste Bank und der Unicredit-Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) die dritte Großbank ihr Ergebnis vorgelegt und die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Gute Zahlen und vor allem intakte Wachstumsaussichten schöpfen alle drei Banken aus einer Quelle: ihrem Engagement in Osteuropa. Am deutlichsten wird dies bei der Raiffeisen-Tochter RI. Diese war im vergangenen Jahr an die Börse gegangen, um das Osteuropa-Geschäft auszubauen. RI hat im ersten Halbjahr 2006 ihr Nettoergebnis um 56 Prozent auf 289 Mill. Euro gesteigert. Der Gewinn pro Aktie legte von 1,42 Euro auf 2,03 Euro zu. Die Bilanzsumme stieg um 14 Prozent auf 46,34 Mrd. Euro. Die Anzahl der Mitarbeiter erhöhte sich vor allem wegen Zukäufen in Osteuropa von 43 600 auf 50 500. Die Zahl der Filialen stieg um knapp 300 Geschäfte auf 2 725 – woran deutlich wird, dass die Österreicher ihren Schwerpunkt im Retailgeschäft sehen. Typisches Merkmal für die in Osteuropa engagierten Institute ist auch ein niedriges Verhältnis zwischen Aufwand und Einkünften (Cost/Income Ratio), das die relativ geringen Lohnkosten in Osteuropa widerspiegelt. Im Fall der RI liegt dieses Verhältnis bei 57,9 Prozent.
„Wir sind zum Wachstum verdammt“, sagte RI-Chef Herbert Stepic gestern mit Blick auf die schnelle Aufwärtsentwicklung des Bankensektors in Osteuropa. Er rechnet damit, dass RI jährlich 25 bis 30 Prozent gemessen an der Bilanzsumme zulegen wird. Besonders großes Potenzial sieht er in den GUS-Staaten, wo die RI beispielsweise mit ihrer Impexbank in Russland mitmischt. „Ich gehe davon aus, dass wir hier fast doppelt so stark wachsen werden wie in Zentral- und Südosteuropa“, sagte Stepic.
Ihre eigene Osteuropa-Geschichte präsentierte in der vergangenen Woche auch die Erste Bank, die ihren Konzernüberschuss nach Steuern und Fremdanteilen um 33,7 Prozent auf 448,7 Mill. Euro erhöhen konnte. Die Bank hat die rumänische Banca Comerciala Romana (BCR) übernommen, wartet allerdings noch auf die Zustimmung des Parlaments in Rumänien, um die Übernahme auch wirklich unter Dach und Fach zu bekommen. Die Politiker dürften nach der Sommerpause im September ihr OK geben, was inzwischen als Formsache gilt: Die Satzung der BCR ist bereits im Sinne der Österreicher geändert, der Aufsichtsrat neu bestellt. Die hohe Kaufsumme von 3,75 Mrd. Euro liegt bereit. Vergleichsweise für ein Handgeld von 27,7 Mill. Euro hat die Erste Bank vergangene Woche auch noch mehrheitlich die Bank Prestige in der Ukraine erworben und sich damit nach Einschätzung von Analyst Mark MacRae von KBC Securities vor allem Know-how über den Markt eingekauft.
Bei BA-CA sieht einiges anders aus, seit bei ihr die italienische Unicredit das Sagen hat. Sie hat Ende vergangener Woche formal beschlossen, was lange geplant war: Die Unicredit überträgt den Österreichern das gesamte Osteuropa-Geschäft mit Ausnahme Polens und bekommt im Gegenzug 55 Millionen neue BA-CA-Aktien. Die Wiener Bank wiederum verkauft ihr Aktienpaket in Höhe von 71 Prozent an der polnischen BPH an die Italiener. Die BA-CA hatte Ende vergangener Woche mitgeteilt, ihr Nettoergebnis im ersten Halbjahr um 190 Prozent auf 1,32 Mrd. Euro erhöht zu haben.

