Oswald Grübel geht überraschend: Credit-Suisse-Chef verabschiedet sich mit Rekordgewinn

Oswald Grübel geht überraschend
Credit-Suisse-Chef verabschiedet sich mit Rekordgewinn

Morgendliche Überraschung bei Credit Suisse: Chef Oswald Grübel hat parallel zur Bilanzvorlage seinen Rücktritt angekündigt. Er geht am 4. Mai, dem Tag der Hauptversammlung. Grübel hinterlässt seinem Nachfolger, der schon feststeht, ein gut aufgestelltes Institut. Zu Grübels Rücktrittsgründen wurden keine klaren Angaben gemacht. Allerdings gibt es seit längerem Spekulationen über einen Rückzug Grübels aus Altersgründen. Der Zeitpunkt kommt dennoch überraschend.

HB ZÜRICH. Die zweitgrößte Schweizer Bank steigerte im abgelaufenen Jahr den Reingewinn um 94 Prozent auf 11,33 Mrd. Franken (rund 6,9 Mrd. Euro). Darin war allerdings auch der einmalige Gewinn von 1,82 Mrd. Franken aus dem Verkauf der Winterthur Versicherung an die französische Axa enthalten. Aber auch das von Grübel in die Wege geleitete integrierte Geschäftsmodell trug nach Angaben der Bank vom Donnerstag mit einer höheren Effizienz und einer besseren Profitabilität zu dem Ergebniswachstum bei.

Im vierten Quartal kam die Bank auf einen Reingewinn von 4,673 Mrd. Franken und schlug damit die Analystenschätzungen von 3,325 Mrd. Franken. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal lag die Steigerung bei gut 320 Prozent. Auch ihre Kosten hatte die Bank im vergangenen Jahr gut im Griff: Die Cost-Income-Ratio für das vierte Quartal reduzierte sich von 86,5 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 60,3 Prozent. Im Gesamtjahr reduzierte sie sich von 76,2 auf 63,2 Prozent.

Neuer Chef kommt aus dem Investmentbanking

Die Bank konnte in allen wichtigen Geschäftsbereichen zulegen. Das galt vor allem für das Investmentbanking, das wegen hoher Kosten lange ein Sorgenkind gewesen war. Dort stiegen die Erträge nun viel stärker als die Kosten und entsprechend sprang der Gewinn vor Steuern nach oben. Das dürfte auch einer der Gründe für den Sprung auf der Karierreleiter für den Chef dieses Bereiches, Brady Dougan, sein: Er wird als Grübels Nachfolger am 5. Mai die Leitung des Konzerns übernehmen.

Dougan galt zumindest nicht als Favorit für die Nachfolge Grübels, mit dessen Abtreten innerhalb der kommenden zwei Jahre gerechnet worden war. Beobachter hatten eher Leonhard Fischer die größten Chancen auf den Spitzenjob eingeräumt. Der frühere Chef des Versicherers Winterthur war nach dem Verkauf des Konzerns an die französische Axa-Gruppe bei der Credit Suisse geblieben. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Finanzkonzern mitgeteilt, dass der 43-Jährige am 1. März 2007 in der Bankengruppe die Leitung der Regionen Europa, Nahost und Afrika übernehmen und damit Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse wird.

Im Wealth Management setzte die Bank das Wachstum fort. Der Neugeldzufluss im Berichtsquartal lag bei 8,6 Mrd. Franken. Analysten hatten allerdings mit 9,7 Mrd. Franken gerechnet. Der Zufluss dieses Bereiches im ganzen Jahr betrug 50,5 Mrd. Franken. Der Vorsteuergewinn des Private Banking, dessen wichtigster Teil das Wealth Management ist, stieg mit zweistelligen Prozentwerten.

Gut ins neue Jahr gestartet

Das Asset Management, der dritte kleine Bereich der Bank, war von einem nur schwach wachsenden Ertrag und kräftig steigenden Kosten geprägt. Der Vorsteuergewinn ging dort deutlich zurück.

Im ganzen Konzern kam Credit Suisse auf Netto-Neugelder von 95,4 Mrd. Franken.

Mit Blick auf das laufende Jahr erklärte Credit Suisse, der Start in das neue Jahr sei „gut“ ausgefallen. Die Bank sei bestens positioniert, um die sich bietenden Wachstumschancen zu nutzen.

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