Um die Vision einer weltweit präsenten, effizient arbeitenden Universalbank umzusetzen, bleibt dem neuen Chef der Citigroup
, Vikram Pandit, nicht mehr viel Zeit. Fast täglich kommt die Citi seit Ausbruch der weltweiten Kreditkrise mit neuen Hiobsbotschaften. Entsprechend steigt der Druck der Aktionäre.
HB NEW YORK. Auf dem Weg durch den Geschäftssitz von Grupo Financiero Banamex in Mexico City eilt Vikram Pandit vorbei an Diego Riveras berühmtem Bild einer Callalilien-Verkäuferin von 1942. Dann betritt er ein steiles, enges Auditorium. Hier warten Dutzende Führungskräfte in leuchtend roten Polsterstühlen auf eine Konferenz mit ihm. Es ist der 30. Januar 2008, Pandit ist seit sechs Wochen an der Spitze der Citigroup
und tourt weltweit durch die Niederlassungen. Er hat den ganzen Tag in Gesprächen mit Manuel Medina-Mora verbracht, dem Vorstandschef des 2001 von der Citigroup
übernommenen mexikanischen Kreditinstituts.
Mexiko liefert Pandit Nachrichten, wie sie seine Citi dringend braucht. Banamex hat den Gewinn von 2002 bis Ende 2007 verdoppelt. Kunden wie der Tequilahersteller Casa Cuervo schätzen es, dass hier alles unter einem Dach zu haben ist, von der Währungsabsicherung bis zur Anleiheemission. Zudem verwaltet Banamex das Privatvermögen der Eigentümer und sorgt dafür, dass die Angestellten ihre Gehaltsschecks erhalten. Die mexikanische Sparte ist Pandits Modell für die Zukunft des gesamten Finanzkonzerns.
Doch um die Vision einer weltweit präsenten, effizient arbeitenden Universalbank umzusetzen, bleibt dem neuen Chef nicht mehr viel Zeit. Der Gigant, den Pandit leitet - weltgrößter Kreditkartenanbieter, zweitgrößter Vermögensverwalter und größter Betreuer von großen Unternehmensfinanzierungen - kommt seit Ausbruch der weltweiten Kreditkrise fast täglich mit neuen Hiobsbotschaften. Entsprechend steigt der Druck der Aktionäre. Die Citigroup
hat innerhalb eines Jahres über 60 Prozent an Marktwert verloren, musste bis jetzt 54,6 Mrd. Dollar Abschreibungen und Kreditverluste melden. Sie wird wahrscheinlich noch weit ins Jahr 2009 hinein unter den Folgen der Kreditkrise und zunehmend auch der Schwäche der Weltkonjunktur leiden und muss einen Aderlass hinnehmen, wie sie ihn in ihrer gesamten Geschichte nicht erlebt hat.
Notmaßnahmen sind jetzt das tägliche Programm. 40 Mrd. Dollar frisches Kapital hat Pandit seit seinem Amtsantritt organisiert, die Dividende hat er um 41 Prozent auf 32 US-Cent je Aktie gekürzt. Sparten hat er verkauft, darunter auch die deutsche Citibank. Pandit plant, die Bilanz, die sich Ende 2007 auf 2,2 Billionen Dollar summierte, um 500 Mrd. Dollar zu verschlanken. An der Spitze hat er schleunigst Kompetenzen neu verteilt, und er hat bis jetzt 14 000 Jobs abgebaut.
Immer neue Milliardenlöcher erlauben es Pandit nur bedingt, am Modell zu polieren. Er versucht, das Auslandsimperium der Bank, das 106 Länder umfasst und 2007 über die Hälfte der Erlöses von 81,7 Mrd. Dollar beisteuerte, grundlegend umzukrempeln. Unter dem gescheiterten bisherigen Chef Chuck Prince habe die Citi weitgehend in New York entwickelte Finanzprodukte über enge Kanäle an Kunden auf der ganzen Welt vertrieben. Bisweilen agierten Filialen für das Massenkundengeschäft und Zweigstellen für das Unternehmensgeschäft in derselben Straße, ohne sich ernsthaft um eine Abstimmung zu bemühen. In Polen etwa berichtete jedes der fünf Segmente - Konsumenten, Firmenkunden, Kreditgeschäft, Investment-Banking und Privatkunden - separat nach New York. Schleunigst bekommen neue Regionalchefs die Gesamtverantwortung. Mexikos Medina-Mora soll sein Modell nach Brasilien, Chile und Peru exportieren.

