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06.10.2005 
Insolvenzverfahren kann sich noch Jahre hinziehen

Phoenix-Gläubiger: Geprellt und geheilt

von Katharina Slodczyk

Der Ehekrach ist programmiert, obwohl sich Hans Werner Meister und seine Frau Mechthild (Namen geändert) im Prinzip einig sind. „Wir wollen über diese unselige Geschichte nicht mehr reden“, sagen die beiden Mittsechziger wie im Chor. „Dadurch kriegen wir schließlich unser Geld auch nicht mehr zurück“, ergänzt Mechthild Meister.

FRANKFURT. Nach einem tiefen Luftholen schiebt sie noch hinterher: „Unser schönes Geld, viel Geld, 10 000 Euro erst und dann...“ Bevor die kleine Frau in dem eleganten Kostüm weiterjammern kann, fällt ihr Mann ihr lautstark ins Wort und schiebt sie energisch zur Seite: „Fängst du schon wieder an, wir wollten über diese Peinlichkeiten doch nicht mehr reden, dass wir auf diese Geldabgreifer reingefallen sind, diese Abzocker.“

Es ist Wut, große Wut, die die Menschen an diesem Mittwochmorgen in die Räume der Frankfurter Messe treibt, zur Gläubigerversammlung der Phoenix Kapitaldienst GmbH. Wut auf die Pleitefirma, die viel Geld vernichtete, die 30 000 Anleger um einen dreistelligen Millionenbetrag prellte, die mit gefälschten Unterlagen offenbar selbst Wirtschaftsprüfer täuschte und die inzwischen in einem Atemzug mit großen Betrugsfällen wie Flowtex genannt wird.

Aber da ist auch Wut auf sich selbst, auf die eigene Gier, Gewinne im zweistelligen Prozentbereich einzustreichen, auf den naiven Glauben an die Geldvermehrung der Frankfurter Anlagefirma, die mehr als zehn Jahre so perfekt zu funktionieren schien. Daher zügeln die Menschen auch ihren Zorn und geben sich – zumindest nach außen – meist ruhig und gefasst.

„Ich erwarte ja gar kein Mitleid, wär’ wohl auch zu viel verlangt“, sagt ein Vorruheständler, der extra aus München anreiste. Einen dunkelblauen Anzug mit Goldknöpfen hat er angezogen, und eine Stunde vor Beginn der Versammlung sitzt er schon in der ersten Reihe. „Ich erwarte nur, dass man mir klipp und klar sagt: Gibt es noch Hoffnung, dass ich zumindest etwas von meinem Geld wiedersehe oder nicht?“

Auf eine Antwort muss er lange warten – und so eindeutig wie gewünscht fällt sie auch nicht aus. Mit einer halbstündigen Verspätung legt Frank Schmitt, Insolvenzverwalter der Kanzlei Schultze & Braun, mit seinem Bericht los. Er spricht viel über Broker und verletzte Sorgfaltspflichten, über Scheingewinne und komplizierte Rechtslagen.

Sein Lieblingsbegriff ist aber „Forensic Services“ – die Wege und Methoden, mit denen er und seine Kollegen die Betrügereien von Phoenix aufdecken wollen. Die Indiziensuche ist mühsam. Im Mittelpunkt steht ein Sammelkonto, Phoenix Managed Account. Anleger gingen davon aus, dass Phoenix mit ihrem Geld spekulierte, etwa auf die Entwicklung von Kaffeepreisen oder Aktienindizes wettete.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schneeballsystem

In Wirklichkeit hat das Unternehmen wohl fast zehn Jahre lang ein Schneeballsystem betrieben – Auszahlungen wurden immer nur aus neuen Einlagen bezahlt. „Es wurde bei Phoenix nie ein Gewinn erwirtschaftet“, sagt Schmitt.

Fast eine Stunde lang redet und redet der schmächtige Mann mit den schütteren Haaren – als wolle er den Ärger der etwa 400 erschienenen Anleger einfach wegquatschen oder zuschütten mit seiner Computerpräsentation. 80 Slides wirft er den Menschen an den Kopf.

Endlich kommt der Satz, der die Geprellten wirklich interessiert: „Eine Prognose über eine Ausschüttungsquote ist nicht möglich.“ Er könne auch nicht sagen, wann es so weit sei. Schmitt weiß, dass er damit nicht auf Verständnis stößt. Hatte er doch kurz zuvor posaunt: 231 430 604,47 Euro habe er sichergestellt von den 800 Millionen Euro, die die Anleger Phoenix anvertrauten. Fast flehend sagt Schmitt: „Haben Sie nicht den Eindruck, dass ich auf dem Geld sitze! Die Rechtslage ist so kompliziert.“

Einer der Faktoren, die dazu beitragen: Schmitt will, dass Phoenix-Anleger aus Scheingewinnen überwiesenes Geld zurückzahlen. Insgesamt könnten dabei 100 Millionen Euro zusammenkommen. „Wir wollen alle Anleger gleich behandeln“, begründet Schmitt, „wir wollen von den Anlegern, die von Phoenix profitiert haben, Geld für Sie alle.“

Anwälte, die Phoenix-Anleger vertreten, sind von diesem Plan nicht zu überzeugen. „Anleger, die an die Ordnungsmäßigkeit ihrer Gewinne geglaubt haben, werden dann im Nachhinein zur Ader gelassen“, sagt Rechtsanwalt Klaus Nieding, der mit einem Kollegen mehrere hundert Phoenix-Opfer vertritt. Ob Schmitts Plan aufgeht, werden am Ende wohl Gerichte klären müssen.

Am Nachmittag ist die Wut verraucht im Saal namens „Harmonie“. Resignation greift um sich: „Das wird doch ausgehen wie das Hornberger Schießen“, sagt Hans Werner Meister. Für sich selbst hat er aber schon länger eine Lehre gezogen: „Ich geh mit meinem Geld wieder zur Stadtsparkasse oder gebe es vorher aus.“ Von der Gier nach Traumrenditen sei er kuriert.

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