In Wirklichkeit hat das Unternehmen wohl fast zehn Jahre lang ein Schneeballsystem betrieben – Auszahlungen wurden immer nur aus neuen Einlagen bezahlt. „Es wurde bei Phoenix nie ein Gewinn erwirtschaftet“, sagt Schmitt.
Fast eine Stunde lang redet und redet der schmächtige Mann mit den schütteren Haaren – als wolle er den Ärger der etwa 400 erschienenen Anleger einfach wegquatschen oder zuschütten mit seiner Computerpräsentation. 80 Slides wirft er den Menschen an den Kopf.
Endlich kommt der Satz, der die Geprellten wirklich interessiert: „Eine Prognose über eine Ausschüttungsquote ist nicht möglich.“ Er könne auch nicht sagen, wann es so weit sei. Schmitt weiß, dass er damit nicht auf Verständnis stößt. Hatte er doch kurz zuvor posaunt: 231 430 604,47 Euro habe er sichergestellt von den 800 Millionen Euro, die die Anleger Phoenix anvertrauten. Fast flehend sagt Schmitt: „Haben Sie nicht den Eindruck, dass ich auf dem Geld sitze! Die Rechtslage ist so kompliziert.“
Einer der Faktoren, die dazu beitragen: Schmitt will, dass Phoenix-Anleger aus Scheingewinnen überwiesenes Geld zurückzahlen. Insgesamt könnten dabei 100 Millionen Euro zusammenkommen. „Wir wollen alle Anleger gleich behandeln“, begründet Schmitt, „wir wollen von den Anlegern, die von Phoenix profitiert haben, Geld für Sie alle.“
Anwälte, die Phoenix-Anleger vertreten, sind von diesem Plan nicht zu überzeugen. „Anleger, die an die Ordnungsmäßigkeit ihrer Gewinne geglaubt haben, werden dann im Nachhinein zur Ader gelassen“, sagt Rechtsanwalt Klaus Nieding, der mit einem Kollegen mehrere hundert Phoenix-Opfer vertritt. Ob Schmitts Plan aufgeht, werden am Ende wohl Gerichte klären müssen.
Am Nachmittag ist die Wut verraucht im Saal namens „Harmonie“. Resignation greift um sich: „Das wird doch ausgehen wie das Hornberger Schießen“, sagt Hans Werner Meister. Für sich selbst hat er aber schon länger eine Lehre gezogen: „Ich geh mit meinem Geld wieder zur Stadtsparkasse oder gebe es vorher aus.“ Von der Gier nach Traumrenditen sei er kuriert.

