Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat die Fusion der Provinzial Münster mit der Sparkassenversicherung aus Stuttgart gestoppt. Damit ist der Plan des Sparkassenfürsten Rolf Gerlach - alle öffentlichen Versicherer zu vereinigen - vorerst gescheitert. Nun bleiben Gerlach nur wenigen Optionen.
MÜNSTER. Rolf Gerlach hat schon öfter verloren und ist zurückgekommen. Der Präsident des Münsteraner Sparkassenverbandes verfolgt seine ganz eigene Bergtour, nicht nur mit den Landesbanken, auch mit den öffentlichen Versicherern. Die will er unbedingt alle unter ein Dach bringen.
Wie die Nationalmannschaft gegen Kroatien steckt er auf dem Weg zu nationaler Stärke Niederlagen ein, etwa am Freitag. Da machte ihm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe einen Strich durch eine Fusion der Provinzial Nordwest mit der SV Sparkassenversicherung aus Stuttgart. Diese geschlossene Ablehnung hat Gewicht, denn der kommunale Verband besitzt 40 Prozent an dem zweitgrößten Versicherer im Sparkassenlager. Das ist eine Sperrminorität, gegen die Gerlach erst einmal nichts machen kann.
Unerwartet kommt das nicht. Deshalb schweigt Gerlach in der Stunde der Niederlage lieber. Er hat Zeit. Die anderen Eigentümer der Provinzial - hauptsächlich Sparkassenverbände - müssen ja noch entscheiden. Außerdem steht im September die Landtagswahl in Bayern an. Danach wird sich herausstellen, welche Konstellationen unter den öffentlichen Versicherern realistisch sind.
Der aktuelle, kommunale Konflikt in Münster könnte daher schnell der Vergangenheit angehören, wenn der Landschaftsverband mit seinem Direktor Wolfgang Kirsch umdenken müsste. Derzeit ist Kirsch gegen Gerlach und seine Pläne: "Eine Fusion mit den Stuttgartern ist tot", sagt Kirsch. Persönliche Antipathie ist hier vorhanden, doch das spielt im Poker um Macht und Einfluss nicht immer die entscheidende Rolle.
Gerlach, da sind sich seine Gegner sicher, hat einen Plan B - und wohl auch C - schon im Kopf. Dafür schaffte er sich schon vor der Fusionsentscheidung des Landschaftsverbandes neuen Spielraum. Sein gewiefter Kontrahent, der bisherige Provinzial-Chef Heiko Winkler, geht am Jahresende. Mit Ulrich Rüther übernimmt ein Manager, der wenig Erfahrung im politischen Ränke- und Machtspiel besitzt.

