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08.07.2008 
Bundesverband Volks- und Raiffeisenbanken

Pleister-Nachfolge: Gerüchteküche kocht

von Sonia Shinde

Heute in einer Woche endet die Amtszeit von Christopher Pleister als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Einen Nachfolger gibt es zumindest offiziell noch nicht. Die Spekulationen über die Nachfolgeregelung laufen aber heiß. Die Personalentscheidung wird auch direkten Einfluss auf den umstrittenen Kurs des Verbandes haben.

Noch eine Woche im Amt: der BVR-Präsident Christopher Pleister. Foto: APLupe

Noch eine Woche im Amt: der BVR-Präsident Christopher Pleister. Foto: AP

FRANKFURT. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Entscheidung über den Nachfolger Pleisters längst feststeht, wenn am Mittwoch kommender Woche turnusmäßig der Verbandsrat, das oberste Kontrollgremium des BVR, tagt. Finanzkreisen zufolge wird dann der neue Präsident ernannt. Denn einen Tag vorher, am 15. Juli, trifft sich der Verwaltungsrat, der laut Satzung über die Bestellung des BVR-Präsidenten entscheidet – just an dem Tag, an dem Pleister geht. „Ich vermute, dass die Würfel längst gefallen sind“, sagt ein Insider. Der BVR und sein Verwaltungsratsvorsitzender Carsten Graaf, Vorstand der Volksbank Meerbusch, wollten dies nicht kommentieren.

Als Favorit für den Präsidentenposten gilt der bayerische Verbandspräsident Stephan Götzl. Ein Gegenkandidat ist bislang nicht in Sicht. Eine Rückkehr von Alexander Erdland, ehemals Chef der verbundeigenen Bausparkasse Schwäbisch Hall und jetzt Chef der Wüstenrot-Gruppe, war zwar bei manchen Vorständen der Ortsbanken im Gespräch, Erdland selber ließ aber ausrichten, er stehe nicht zur Verfügung. Auch die Spekulationen, dass WGZ-Chef Werner Böhnke nach einer Fusion der beiden Zentralinstitute nach Berlin umzieht, sind inzwischen verstummt. Böhnke, so heißt es im Verbund, solle Aufsichtsratschef des fusionierten Spitzeninstituts werden.

Diesen Posten hatte bislang traditionell der BVR-Präsident inne. Und er war der Stolperstein, der Pleister wohl das Amt kostete. Weil er den Vorsitz nicht hergeben wollte, so Vorwürfe aus Verbundkreisen, soll er die letzten Fusionsgespräche zwischen DZ und WGZ im Dezember 2006 durch gezielte Indiskretionen torpediert haben. Pleister selber hatte dies stets bestritten. Am Ende aber, so Insider, habe er genau deshalb den Hut nehmen müssen, um den Weg frei zu machen für die Fusion.

Leicht wird es sein Nachfolger nicht haben. Denn an der Basis wird derzeit über die künftige Rolle des Bundesverbandes kräftig diskutiert. Bislang überwacht der BVR die Sicherungseinrichtung, die einspringt, sobald einer Genossenschaftsbank die Pleite droht, fungiert außerdem als Lobby-Verband und als Strategiezentrum des Finanzverbundes.

Doch so mancher Ortsbanker wünscht sich den BVR künftig vor allem als Sprachrohr in den eigenen Reihen. „Es wäre gut, wenn der BVR nach einer Fusion vor allem die Belange der Institute vertreten würde“, sagt ein Bankvorstand, „als Gegengewicht zur Zentralbank.“ Deren Vertreter sollen dafür die Gremien des BVR verlassen.

Andere wollen, dass der BVR die Prüfungsrolle der regionalen Verbände übernimmt und damit dem Verbund Kosten spart. Die derzeit noch sieben Regionalverbände sind die Buchprüfer und regionalen Interessenvertreter der rund 1 200 Volks- und Raiffeisenbanken. Derzeit fusionieren die Verbände in Norddeutschland und Frankfurt sowie die in Baden und Württemberg. Auch der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband erwägt eine Fusion mit den Frankfurtern. Verbundintern heißt es, in ein paar Jahren gäbe es dann nur noch einen Verband. Der wiederum würde dann dem BVR Konkurrenz machen.

Die Bayern dagegen wollen die Regionalverbände behalten und stattdessen einen starken BVR-Präsidenten als Oberhaupt in einem neuen „Deutschen Genossenschaftsverband“ installieren. „Bisher sind die Genossen zu zersplittert, um wirksam Bundespolitik zu machen. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften haben einen eigenen Verband, die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften einen anderen und die Banken den BVR, das ist zu unübersichtlich“, sagt ein Banker. Ganz nebenbei würde das Modell den BVR-Präsidenten zum machtvollen Verbund-Lobbyisten in Berlin machen.

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