Das zweite Milliardengeschäft der deutschen Bankenbranche innerhalb von nur zwei Wochen hat die Aktien von Postbank und Deutscher Bank zunächst auf Talfahrt geschickt. Lohnen könnte sich der Einstieg jedoch für die Aktionäre der Post – nicht nur wegen steigender Kursgewinne.
Die Deutsche Bank steigt bei der Postbank ein. Das Institut kauft dem Logistikkonzern Post für insgesamt 2,79 Mrd. Euro in bar 29,75 Prozent an dem Geldhaus ab.
HB BONN/FRANKFURT. Die größte deutsche Bank kauft der Deutschen Post 29,75 Prozent ihres Mehrheitsanteils an der Tochter Postbank
ab und sichert sich die Option auf weitere Anteile, wie die Vorstandschefs der Deutschen Bank
und der Deutschen Post
ist mit ihren derzeit 14,6 Millionen Kunden die größte Privatkundenbank in Deutschland.
Im Gegensatz zum Abbau von 9 000 Stellen bei Commerzbank
und Dresdner Bank sollen bei Postbank
und Deutscher Bank
alle Standorte und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Erst Ende August hatte die Commerzbank
bleiben unverändert. Es wird keine Veränderung im Filialnetz und bei den Mitarbeitern geben", versicherte Appel in Bonn.
Die wichtigsten Bankenfusion in Deutschland - eine Chronik in Bildern
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, hat angekündigt, seine Aktionäre bei der Verteilung der rund 2,8 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Postbank berücksichtigen. Der Konzern werde in den nächsten Monaten über die Verwendung entscheiden, sagte Appel dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel“ einem Vorabbericht vom Samstag zufolge. Dabei würden auch die Aktionärsinteressen berücksichtigt. Ein weiterer Teil des Geldes soll für künftiges Wachstum genutzt werden. Dabei schloss Appel Großkäufe allerdings ausdrücklich aus.
Appel und Ackermann äußerten sich allerdings nicht dazu, wie es nach einer möglichen Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank
mit den derzeit 21 000 Arbeitsplätzen bei der Postbank
aussehen würde. Die Gewerkschaft ver.di befürchtet, dass "mittelfristig eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Gefahr" geraten wird.
Bundesregierung stimmt zu
Der Einstieg soll im ersten Quartal 2009 vollzogen werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch Aufsichts- und Kartellbehörden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte umgehend die Zustimmung der Bundesregierung, die mit einem Vertreter im Post
-Aufsichtsrat vertreten ist. Nach seinen Worten hat der Bund zwar ein Vetorecht bis zum 31. Dezember. "Wir werden diese Vetoposition nicht einlegen", sagte Steinbrück, am Freitag in Nizza.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte zum Deal: "Dadurch wird nicht nur der Finanzplatz Deutschland in einer international nicht einfachen Situation weiter gestärkt. Auch für Bürger und Mittelstand entsteht durch das Zusammengehen die Chance, dann "aus einer Hand" von den jeweiligen Stärken beider Kreditinstitute zu profitieren."
Enge Zusammenarbeit vereinbart
Deutsche Bank
und Postbank
vereinbarten eine enge Zusammenarbeit, etwa beim Vertrieb von Immobilienfinanzierungen und Investmentprodukten. Ackermann zeigte sich überzeugt vom Erfolg der Kooperation: "Zusammen werden beide Institute unanfechtbarer Marktführer im deutschen Privatkundenmarkt." Das Bonner Institut genieße einen ausgezeichneten Ruf und habe seine Profitabilität in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. "Trotz der Belastungen aus der aktuellen Finanzkrise sind wir überzeugt, dass sich diese positive Dynamik fortsetzen wird", sagte Ackermann.
Beide Institute können nach seinen Angaben weltweit 30 Millionen Kunden erreichen. Für die Deutsche Bank
sei die Beteiligung eine "gute Finanzinvestition", die das eigene Privatkundengeschäft stärke und Wert für die Aktionäre schaffe.

