19 Bewertungen ****
13.09.2008 
Deutsche Bank steigt bei Postbank ein

Post-Aktionäre die lachenden Dritten

Das zweite Milliardengeschäft der deutschen Bankenbranche innerhalb von nur zwei Wochen hat die Aktien von Postbank und Deutscher Bank zunächst auf Talfahrt geschickt. Lohnen könnte sich der Einstieg jedoch für die Aktionäre der Post – nicht nur wegen steigender Kursgewinne.

Die Deutsche Bank steigt bei der Postbank ein. Das Institut kauft dem Logistikkonzern Post für insgesamt 2,79 Mrd. Euro in bar 29,75 Prozent an dem Geldhaus ab.Lupe

Die Deutsche Bank steigt bei der Postbank ein. Das Institut kauft dem Logistikkonzern Post für insgesamt 2,79 Mrd. Euro in bar 29,75 Prozent an dem Geldhaus ab.

HB BONN/FRANKFURT. Die größte deutsche Bank kauft der Deutschen Post 29,75 Prozent ihres Mehrheitsanteils an der Tochter Postbank ab und sichert sich die Option auf weitere Anteile, wie die Vorstandschefs der Deutschen Bank und der Deutschen Post, Josef Ackermann und Frank Appel, am Freitag in Bonn mitteilten. Zur Finanzierung plant der deutsche Branchenprimus eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Milliarden Euro. Die Postbank ist mit ihren derzeit 14,6 Millionen Kunden die größte Privatkundenbank in Deutschland.

Im Gegensatz zum Abbau von 9 000 Stellen bei Commerzbank und Dresdner Bank sollen bei Postbank und Deutscher Bank alle Standorte und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Erst Ende August hatte die Commerzbank die Übernahme der angeschlagenen Allianz -Tochter Dresdner Bank vereinbart. "Marke, Zentrale und Management (der Postbank) bleiben unverändert. Es wird keine Veränderung im Filialnetz und bei den Mitarbeitern geben", versicherte Appel in Bonn.

Die wichtigsten Bankenfusion in Deutschland - eine Chronik in Bildern

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, hat angekündigt, seine Aktionäre bei der Verteilung der rund 2,8 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Postbank berücksichtigen. Der Konzern werde in den nächsten Monaten über die Verwendung entscheiden, sagte Appel dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel“ einem Vorabbericht vom Samstag zufolge. Dabei würden auch die Aktionärsinteressen berücksichtigt. Ein weiterer Teil des Geldes soll für künftiges Wachstum genutzt werden. Dabei schloss Appel Großkäufe allerdings ausdrücklich aus.

Appel und Ackermann äußerten sich allerdings nicht dazu, wie es nach einer möglichen Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank mit den derzeit 21 000 Arbeitsplätzen bei der Postbank aussehen würde. Die Gewerkschaft ver.di befürchtet, dass "mittelfristig eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Gefahr" geraten wird.

Bundesregierung stimmt zu

Der Einstieg soll im ersten Quartal 2009 vollzogen werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch Aufsichts- und Kartellbehörden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte umgehend die Zustimmung der Bundesregierung, die mit einem Vertreter im Post-Aufsichtsrat vertreten ist. Nach seinen Worten hat der Bund zwar ein Vetorecht bis zum 31. Dezember. "Wir werden diese Vetoposition nicht einlegen", sagte Steinbrück, am Freitag in Nizza.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte zum Deal: "Dadurch wird nicht nur der Finanzplatz Deutschland in einer international nicht einfachen Situation weiter gestärkt. Auch für Bürger und Mittelstand entsteht durch das Zusammengehen die Chance, dann "aus einer Hand" von den jeweiligen Stärken beider Kreditinstitute zu profitieren."

Enge Zusammenarbeit vereinbart

Deutsche Bank und Postbank vereinbarten eine enge Zusammenarbeit, etwa beim Vertrieb von Immobilienfinanzierungen und Investmentprodukten. Ackermann zeigte sich überzeugt vom Erfolg der Kooperation: "Zusammen werden beide Institute unanfechtbarer Marktführer im deutschen Privatkundenmarkt." Das Bonner Institut genieße einen ausgezeichneten Ruf und habe seine Profitabilität in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. "Trotz der Belastungen aus der aktuellen Finanzkrise sind wir überzeugt, dass sich diese positive Dynamik fortsetzen wird", sagte Ackermann.

Beide Institute können nach seinen Angaben weltweit 30 Millionen Kunden erreichen. Für die Deutsche Bank sei die Beteiligung eine "gute Finanzinvestition", die das eigene Privatkundengeschäft stärke und Wert für die Aktionäre schaffe.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Zusammenlegung von Depots bringt Vorteile  Artikel in Merkliste

22.11.2008

Wer seine Bankverbindungen bei einem Anbieter bündelt, fährt bei der Einführung der Abgeltungsteuer besser. Gewinne und Verluste lassen sich so einfacher verrechnen – Anleger müssen sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer sonst vom Fiskus zurückholen. Artikel


Anzeige