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18.06.2008 
Verschiedene Fusionsgespräche

Post bekennt Farbe in Sachen Postbank

von Nicole Bastian, Frank M. Droste und Sven Afhüppe

Nach Monaten des Zauderns startet die Deutsche Post voraussichtlich in der kommenden Woche offiziell den Verkauf der Postbank. Noch im Sommer soll dann eine Vorentscheidung fallen: Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Sommer mit Postchef Frank Appel ein Gespräch führen. Dabei soll Appel mitteilen, an wen das Institut mit den meisten Privatkunden in Deutschland veräußert werden soll.

Steht der Verkauf der Postbank noch im Sommer an? Foto: dpaLupe

Steht der Verkauf der Postbank noch im Sommer an? Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Die Regierung möchte den Verkauf auf jeden Fall noch in diesem Jahr abgewickelt sehen. Bis Anfang kommenden Jahres hat sie über ihre Beteiligung an der Post ein Vetorecht beim Verkauf der Postbank. Die Deutsche Post hält 50 Prozent plus eine Aktie an der börsennotierten Postbank. Bis zu dieser Vorentscheidung sollen auserwählte Interessenten Einblick in die Bücher erhalten und Angebote abgeben. Nach Informationen des Handelsblatts will die Post diese Bieter voraussichtlich noch vor Ende der kommenden Woche offiziell einladen, am Bieterprozess um die Postbank teilzunehmen und sich im sogenannten Datenraum sensible Zahlen des Instituts anzuschauen. Post und Postbank wollten dies nicht kommentieren. Ein Postsprecher sagte lediglich: "Wir sind nach wie vor in dem bekannten informellen Sondierungsprozess und haben keine Eile und keinen Druck."

Doch die Situation von Post und Postbank ist verzwickt, weil parallel weitere Fusionsgespräche laufen. So will die Citigroup für die deutsche Tochter Citibank in der ersten Juliwoche die verbindlichen Angebote sehen. Parallel schauen sich gerade Dresdner und Commerzbank in die Bücher. Das schlimmste Szenario für die Postbank wäre, wenn die Deutsche Bank die Citibank kauft, Dresdner und Commerzbank fusionieren und die Postbank im Konsolidierungsprozess am Ende außen vor bliebe - aber die Konkurrenten tief in ihre Bücher hat schauen lassen. Die geplatzte Übernahme durch die Deutsche Bank 2004 war da eine Lehre.

Derzeit laufen noch Gespräche mit möglichen Interessenten, um deren Interesse auszuloten. Die Post wird dabei von Morgan Stanley beraten, die Postbank von UBS. Den offiziellen Start des inoffiziell bereits seit Wochen laufenden Verkaufsprozesses mit der Einladung in den Datenraum wird der Vorstand der Post formell beschließen.

Dabei ist sich Appel durchaus bewusst, dass der Bund die seltene Chance, dass ein so großes Kreditinstitut zum Verkauf steht, industriepolitisch nutzen will. Daraus machen auch die Parlamentarier keinen Hehl. "Ich würde es begrüßen, wenn am Ende dieses Prozesses die Deutsche Bank und die Commerzbank gestärkt aus der Aufteilung des Marktes hervorgehen würden", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, dem Handelsblatt. "Mir wäre es am liebsten, wenn die Deutsche Bank die Citibank erwerben würde. Einen zweiten nationalen Champion könnten wir schaffen, wenn die Commerzbank und die Dresdner Bank bei der Postbank zum Zuge kämen." Es müsse aber ein objektives Bieterverfahren geben, bei dem letztlich die Konditionen entschieden.

Das Argument der Gewerkschaften, die sich vor allem gegen die Dreierkombination Dresdner-Commerzbank-Postbank wehren und lieber einen ausländischen Investoren für die Postbank sähen, kann Bernhardt nicht nachvollziehen. Der deutsche Bankenmarkt sei überbesetzt. Wachstum lasse sich nur über Marktanteilsgewinne realisieren, die automatisch an anderer Stelle zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führten. Die Gewerkschaft Verdi sieht bei einer Dreierkombination rund 20 000 Arbeitsplätze in Gefahr.

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