Die Deutsche Post AG hat offiziell Gespräche über einen möglichen Verkauf ihrer Tochter Postbank
bestätigt. Der Konzern in Bonn erklärte am Mittwoch, er trete in dem Sondierungsprozess um die Zukunft der Postbank
"in eine intensivere Phase ein". Post-Chef Frank Appel will Kreisen zufolge mit rund einer Handvoll Interessenten verhandeln.
Die Post prüfe, wie eine optimale Wettbewerbsposition für die Postbank geschaffen werden könne, teilte der Konzern mit. Foto: dpa
bas/hgn/saf/sos/BONN. Als Interessenten gelten die Deutsche Bank
, Lloyds aus Großbritannien, ING aus den Niederlanden und Santander
aus Spanien. Die bisher als Favorit gehandelte Bieterkombination aus Commerzbank
und Dresdner gehört nicht zu diesem Kreis. Was nicht heißt, dass das Duo am Ende nicht doch noch zum Zuge kommt. Finanzkreisen zufolge überprüfen Commerzbank
und Dresdner ihr gemeinsam erarbeitetes, aber noch nicht abgegebenes Angebot, das bislang einen Kaufpreis von neun bis elf Mrd. Euro für die Postbank
vorsah.
Angesichts der intensivierten Gespräche zum Verkauf der Postbank lässt der Vorstandschef der Postbank, Wolfgang Klein, seinen Posten im Vorstand bei der Deutschen Post vorübergehend ruhen. Seine Funktion als Vorstandschef des Geldinstituts bleibe davon unberührt, teilte die Post mit.
Kleins „einvernehmlicher“ Schritt soll auch möglichen Interessenkonflikten vorbeugen. Der Vorstand der Postbank unterstütze das „ergebnisoffene Verfahren“ aktiv, um eine „optimale Lösung“ zu gewährleisten, berichtete die Post.
Die Bundesregierung ist optimistisch, dass der Verkauf der Postbank
noch in diesem Jahr realisiert werden kann. "Der Zeitrahmen ist ehrgeizig, aber absolut realistisch", heißt es in der Spitze des Finanzministeriums. Selbst wenn eine der beteiligten Banken eine Kapitalerhöhung auf einer Hauptversammlung beschließen müsse, um zusätzliches Kapital für den Zukauf zu mobilisieren, könne im November oder Dezember der Deal abgeschlossen werden.
Mit dem Verkauf der Postbank
will der Bund nicht nur einen zweiten nationalen Champion in der Finanzwelt schaffen, sondern zudem einen Beitrag zur Konsolidierung im Bankensektor leisten, heißt es in Regierungskreisen. Ein Scheitern der Verkaufsverhandlungen will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) deshalb unter allen Umständen vermeiden.
Doch gilt der Postbank
-Verkauf als nicht einfach. Die Konkurrenz anderer, parallel zum Verkauf stehender Banken erschwert die Verhandlungen ebenso wie die sinkende Eigenkapitalquote der Postbank
und der im Dreimonatsschnitt hohe Aktienkurs, zu dem ein möglicher Käufer alle Kleinaktionäre abfinden muss.
Das Finanzministerium betonte, dass sich Steinbrück in die ersten Sondierungsgespräche nicht einschalten werde. Erst für Ende Juli oder Anfang August will er sich nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen mit Postchef Frank Appel zu einem Gespräch treffen.
Dann soll Appel dem Minister mitteilen, an wen die nach Kunden größte deutsche Privatkundenbank verkauft werden soll. Bis Anfang 2009 besitzt die Regierung ein Vetorecht beim Verkauf der Postbank
.
Organisatorisch hat sich die Post auf die Verhandlungen bereits eingestellt: Postbank
-Chef Wolfgang Klein lasse sein Mandat im Vorstand der Post ruhen, teilte die Post gestern mit. Damit ist klar, dass Konzernboss Appel die Verkaufsgespräche zur Chefsache macht.
Die Postbank
ist gemessen nach ihrer Kundenzahl von 14,4 Millionen die größte deutsche Privatbank. Über einen Verkauf und mögliche Bieter wird seit Monaten spekuliert. Die Aussicht auf einen baldigen Verkauf der Postbank
hatte dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch Auftrieb gegeben und für eine Erholung bei den Finanzwerten gesorgt.
"Für den Aktienkurs der Postbank
werten wir die Möglichkeit eines Verkaufs ins Ausland positiv, weil sich damit die Zahl der Bieter erhöht", erklärte LBBW-Analyst Olaf Kayser. Zusätzlichen Schub erhielten die Aktien der Post-Tochter von Gerüchten, wonach Lloyds TSB
67 Euro pro Postbank
-Aktie bieten könnte. Postbank
-Titel stiegen um 6,8 Prozent auf 57,90 Euro.

