Der Verkauf der Postbank
droht angesichts der anhaltenden Finanzkrise zu scheitern. Inzwischen liege die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutsche Post ihre Mehrheit verkaufe, nur noch bei gut 50 Prozent, erfuhr das Handelsblatt aus verhandlungsnahen Kreisen.
FRANKFURT. Post-Chef Frank Appel müsse sich entscheiden. Gehe er nicht mit seinen Preisvorstellungen herunter oder akzeptiere Aktien statt Bargeld für die Postbank
-Anteile, sei keiner der Verhandlungspartner zum Kauf bereit, hieß es in Finanzkreisen.
Die Titel sind von ihrem Jahreshoch bei 67,10 Euro auf gut 44 Euro eingebrochen. Das entspricht einem Börsenwert von gut sieben Mrd. Euro. Appel soll ursprünglich ein Preis von 61 Euro vorgeschwebt haben - was einen Wert von rund zehn Mrd. Euro für das Gesamtinstitut bedeutete.
Damit steckt Appel in der Klemme. Verkauft der erst kürzlich angetretene Manager den Gewinnbringer Postbank
zu billig, rebellieren die Post-Aktionäre, darunter der Bund. Zugleich ist eine Kurserholung wegen der anhaltenden Finanzkrise nicht in Sicht. Seit Ende Juni spricht die Post offiziell mit potenziellen Käufern. Nach Angaben aus Finanzkreisen sind dies rund eine Handvoll - darunter die Deutsche Bank
.
Doch zu günstig kann Appel den Gewinnbringer Postbank
mit Rücksicht auf seine Aktionäre auch nicht abgeben. Außerdem ist der Verkauf Appels erster große Deal als Nachfolger von Klaus Zumwinkel, der im Frühjahr wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung zurückgetreten war. Appel sei deshalb zum Erfolg verdammt, zeige aber eine "gewisse Entscheidungsschwäche", sagt ein Insider. Ende Juli hatte der Postchef selbst noch gesagt: Die Zukunft der Postbank
sei zu wichtig, um "in Hast und Eile zu entscheiden".
Auch Analysten sind inzwischen skeptisch: Axel Funhoff vom niederländischen Finanzkonzerns ING erwartet, dass die Postbank
den Verkauf durchaus um Jahre verschieben könnte. Aus seiner Sicht wird es dem Konzern nicht möglich sein, seine Beteiligung von 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank
zu einem Preis von über 60 bis 65 Euro je Aktie zu verkaufen. Ohnehin senkt ein Analyst nach dem anderen das Kursziel für die Aktie, weil die Übernahmephantasie so gut wie aus dem Markt ist. Dresdner Kleinwort machte erst am Montag die Kehrtwende und riet Kunden, Postbankaktien zu verkaufen und senkte das Kursziel von 62 Euro auf 41 Euro. Lehman Brothers
reduzierte das Kursziel für Postbank
-Aktien von 46 Euro auf 43 Euro.
Die größte Hürde im Postbank
-Verkauf ist die andauernde Finanzkrise. Die raubt möglichen Käufern zunehmend den Übernahmeappetit. Ihren eigenen Aktionären müssten Interessenten vermitteln, warum sie für ein Institut mehr zahlen als bisher üblich ist. An der Börse gilt der Satz: 1,7-mal der Buchwert. Doch selbst der gesunkene aktuellen Postbank
-Kurs bewertet das Institut mit rund dem Dreifachen des Buchwertes. 61 Euro je Aktie wären gar das 4,4-Fache des Buchwerts.
Zudem hat sich mit fortschreitender Finanzkrise auch gezeigt, dass die Postbank
schwach an Eigenkapital ist. Eine mögliche Kapitalerhöhung, zumindest aber eine Verwässerung der eigenen Eigenkapitalquote, muss der Käufer mit in den Preis einkalkulieren.
Konsolidierung gerät damit ins Stocken
Eine weitere Hürde sind die verschiedenen Geschäftsmodelle. Die Postbank
ist ein Exot unter den deutschen Banken. In ihren Filialen gibt es Briefmarken, Strom und Bleistifte zu kaufen. Das führt auch dazu, dass die Postbank
-Kunden ein anderes Profil haben als etwa die Kunden der Deutschen Bank
. Die Postbank
hat mit mehr als 14 Mill. viele Kunden, aber nur rund 4,6 Mill. davon sind Stammkunden. Und die bringen auch nicht so viel Umsatz im Schnitt wie bei anderen Instituten. Durch die schiere Kundenzahl hat die Postbank
dennoch in den vergangenen Jahren hohe Erträge erzielt.
Eine weitere Besonderheit ist die enge Zusammenarbeit mit der Post. In den 855 Postbank
-Filialen bietet die Postbank
Postdienste an - und umgekehrt. Das regelt ein Filialvertrag mit dreijähriger Kündigungsfrist. Das schränkt einen Käufer in der Umgestaltung ein. Ein Problem für den Käufer könnten auch die rund 7 000 Beamten sein, die die Postbank
hat. Das erschwert einen eventuellen Stellenabbau. Als letzte Hürde gilt das Mitspracherecht des Bundes. Bis Anfang Januar 2009 hat er ein offizielles Vetorecht beim Postbank
-Verkauf.
Die Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft gerät damit weiter ins Stocken. Denn auch die Fusionsgespräche zwischen Commerzbank
und Dresdner Bank kommen scheinbar nur schwer voran. Commerzbank
-Finanzchef Eric Strutz lehnte gestern bei der Vorlage der Quartalszahlen jede nähere Stellungnahme ab. "Wir wollen und werden nur zukaufen, wenn es Sinn macht", sagte er lediglich.
Seit rund zwei Monaten prüfen beide Häuser gegenseitig ihre Bücher. Die jüngsten Zahlen der Commerzbank
machen deutlich, dass sie bei einem Zusammenschluss mit der Dresdner der weitaus besser aufgestellte Partner wäre. Im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft schnitt sie überraschend robust ab. Inklusive eines einmaligen Steuerertrags steigerte die Commerzbank
den Gewinn sogar leicht auf 817 Mill. Euro.

