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19.11.2007 
Sal. Oppenheim

Prall gefüllte Kriegskasse

von Norbert Hofmann, Melanie Bergermann und Cornelius Welp, Wirtschaftswoche

Deutschlands inhabergeführte Privatbanken expandieren kräftig im Ausland. Vorreiter ist das Bankhaus Sal. Oppenheim. Mit einem beispiellosen Kaufrausch hat das Institut Maßstäbe gesetzt. Keine Kriegskasse ist so prall gefüllt, wie die der Kölner.

Sal. Oppenheim Niederlassung in Köln: Einst war hier der Hauptsitz der Privatbank. Foto: dpaLupe

Sal. Oppenheim Niederlassung in Köln: Einst war hier der Hauptsitz der Privatbank. Foto: dpa

Hier also sitzt eine der feinsten Privatbanken der Welt? In einem Wohn- und Geschäftsviertel, abseits der belebten Einkaufspassagen, nicht weit vom Kölner Hauptbahnhof? Die deutsche Zentrale von Sal. Oppenheim trägt eine Sandsteinfassade aus den Fünfzigerjahren, im Lauf der Jahrzehnte an den Seiten ergänzt durch neue Gebäudeeinheiten. Die kühle Eingangshalle birgt den Schalterraum, eine lange, geschlossene Front aus Glas fließt die Theke aus rötlichem Marmor entlang. Im Foyer hangelt sich eine geschwungene Treppe hoch. Wer sein Geld den Oppenheims anvertraut, darf mit dem gläsernen Aufzug in die zweite Etage mit den dicken, beigen Teppichen fahren - dorthin, wo auch Chefbanker Matthias Graf von Krockow und die anderen Gesellschafter ihre Büros haben, wo die Ölporträts der Oppenheim-Ahnen an den Wänden hängen.

Das familiäre Ambiente repräsentiert nicht mehr das, was das Bankhaus Sal. Oppenheim heute wirklich ist: ein internationales Finanzinstitut, eine globale Bank. Oppenheim hat nicht nur seinen Hauptsitz nach Luxemburg verlagert, sondern will künftig auch mehr als die Hälfte des Gewinns im Ausland erwirtschaften. Zahlreiche Beteiligungen und Tochtergesellschaften sollen dafür sorgen.

Das ist beispielhaft für die Privatbankenbranche. Denn auch die anderen inhabergeführten Edel-Institute expandieren außerhalb Deutschlands — vor allem in Luxemburg und in der Schweiz. Eine Tochtergesellschaft für Vermögensverwaltung dort gehört für die Traditionshäuser, bei denen Kunden mit einem Vermögen von weniger als einer halben Million Euro meistens draußen bleiben müssen, mittlerweile zum Standard.

Das Bankhaus Lampe beispielsweise hat 2005 die Atlantic Bank in Zürich übernommen. Das Institut bietet Vermögensverwaltung für betuchte Kunden an und dient der Bielefelder Bank als Basis für alle ausländischen Aktivitäten.

Die Hamburger Berenberg Bank verfügt ebenfalls über eine Tochtergesellschaft in der Schweiz, die Investmentberatung und Vermögensverwaltung anbietet. Die Luxemburger Tochter legt Investmentfonds auf und betreibt eine Niederlassung, in der sie eine internationale Kundschaft im Bereich der Vermögensverwaltung und Geldanlage berät.

Der Weg ins Ausland ist für die Privatbanken eine strategische Notwendigkeit. Denn in Deutschland engagieren sich auch die Großbanken zunehmend im lukrativen Geschäft mit den Wohlhabenden. Der Markt ist aber relativ abgegrast, und allzu viele Reiche kommen der günstigen Konjunktur zum Trotz nicht hinzu. Der Global Wealth Report, eine jährliche Untersuchung der Unternehmensberatung Capgemini und der Wall-Street-Bank Merrill Lynch, hat hier über Jahre nur minimale Zuwächse registriert. Erst im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Dollar-Millionäre in Deutschland deutlich um vier Prozent auf nun 798 000.

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