Die Privatbanken in Deutschland erwarten kein schnelles Ende der Finanzkrise. „Auch 2008 wird für die Banken ein nicht nur schwieriges, sondern sehr anspruchsvolles Jahr“, sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Klaus-Peter Müller. Der Commerzbank-Chef hat auch einen Vorschlag.
ben/makHB BERLIN. Müller räumte am Montag in Berlin ein, dass die Hauptverantwortlichen für die Probleme der Geldhäuser weltweit in den Vorständen der Institute zu finden seien. Als eine Konsequenz aus der Krise fordert der Verband ein verbessertes Risikomanagement der Banken. Zudem regte Müller Änderungen bei den bilanziellen Bewertungsvorschriften an, um künftige Krisen nicht mit zusätzlichen Milliardenabschreibungen zu verschärfen.
"Die Situation muss weiter als äußerst angespannt bezeichnet werden, und die Krise wird uns wohl noch eine ganz Zeit beschäftigen", sagte Müller. Es könne derzeit nicht seriös prognostiziert werden, wann sich die Märkte wieder erholten. Einige Institute hatten im ersten Quartal nochmals höhere Abschreibungen verbucht als im gesamten vergangenen Jahr. Dennoch erwartet Müller in diesem Jahr keinen größeren Personalabbau bei den deutschen Banken.
Der Verbandspräsident stellte klar, dass sich die Bankmanager bei der Forschung nach den Ursachen selbst an vorderster Stelle sähen. "Banken, die Subprime gekauft haben, sind nicht mit Waffengewalt dazu gezwungen worden", betonte er. Auch sein eigenes Haus hatte 2007 wegen Fehlspekulationen mit US-Ramschhypotheken (Subprime) Abschreibungen zu verkraften, die aber unter der Milliardenschwelle lagen. Weltweit verbuchten die Geldhäuser bislang Belastungen von rund 200 Mrd. Dollar. Viele Institute im Privatbanken- und Sparkassenlager hatten in der Hoffnung auf satte Renditen Milliardenbeträge in komplexe Finanzkonstrukte angelegt. "Eine Lehre aus der Krise für die Banken heißt "back to basics'", sagte Müller.
Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank,
Norbert Walter, räumte das Versagen von Banken beim Umgang mit der weltweiten Finanzkrise ein. "Wir waren alle offenkundig nicht in der Lage, die Risiken, die mit diesen Geschäften verbunden waren, richtig einzuschätzen und sind nun in diese Krise geschlittert", sagte Walter der "Deutschen Welle". Auch Risikomanager und Aufsichtsbehörden seien offenkundig überfordert gewesen.
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Um das Vertrauen an den Märkten wieder herzustellen, hoffen die Geschäftsbanken nicht auf einen Eingriff des Staates. "Das wäre nur zu rechtfertigen, wenn eine Abwärtsspirale mit systemischen Risiken drohte", sagte Müller. In den USA sehe die Lage dagegen anders aus. Mit Blick auf die Krise am US-Immobilienmarkt hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unlängst ein Eingreifen des Staates gefordert.
Müller sagte, es müsse über eine Anpassung der IFRS-Bilanzstandards nachgedacht werden. Es gebe Anzeichen dafür, dass die geforderte Bewertung zu Marktpreisen die Talfahrt der Kurse bei einigen Wertpapieren weiter beschleunigt habe. In jüngster Zeit mehren sich angesichts der Milliardenabschreibungen die Stimmen aus der Finanzbranche, wonach die Banken von dem IFRS-Prinzip der Bewertung nach Marktpreisen zumindest zeitweise abweichen dürfen sollten. Bei Kursverlusten führen diese Vorschriften zu erheblichen Wertberichtigungen in den Bankbüchern, Boom-Phasen werden dagegen durch erhebliche Buchgewinne noch verstärkt.
Vergangene Woche hatte sich bereits Bundesbank -Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler gegenüber dem Handelsblatt für Änderungen ausgesprochen. "Die jüngste Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass die Fair-Value-Bewertung die Schwankungen und die Prozyklik der Gewinne und damit der Wirtschaftsentwicklung verstärkt", sagte er. "Wirtschaftsprüfer und Standardsetter müssen sich Gedanken über eine Verbesserung der Bewertungsmaßstäbe machen." Zeitler geht es dabei nicht um die Information der Kapitalmärkte, sondern um die Gewinnermittlung als Grundlage für die Ausschüttung an Aktionäre und Manager.

