Um das Vertrauen an den Märkten wieder herzustellen, hoffen die Geschäftsbanken nicht auf einen Eingriff des Staates. "Das wäre nur zu rechtfertigen, wenn eine Abwärtsspirale mit systemischen Risiken drohte", sagte Müller. In den USA sehe die Lage dagegen anders aus. Mit Blick auf die Krise am US-Immobilienmarkt hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unlängst ein Eingreifen des Staates gefordert.
Müller sagte, es müsse über eine Anpassung der IFRS-Bilanzstandards nachgedacht werden. Es gebe Anzeichen dafür, dass die geforderte Bewertung zu Marktpreisen die Talfahrt der Kurse bei einigen Wertpapieren weiter beschleunigt habe. In jüngster Zeit mehren sich angesichts der Milliardenabschreibungen die Stimmen aus der Finanzbranche, wonach die Banken von dem IFRS-Prinzip der Bewertung nach Marktpreisen zumindest zeitweise abweichen dürfen sollten. Bei Kursverlusten führen diese Vorschriften zu erheblichen Wertberichtigungen in den Bankbüchern, Boom-Phasen werden dagegen durch erhebliche Buchgewinne noch verstärkt.
Vergangene Woche hatte sich bereits Bundesbank -Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler gegenüber dem Handelsblatt für Änderungen ausgesprochen. "Die jüngste Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass die Fair-Value-Bewertung die Schwankungen und die Prozyklik der Gewinne und damit der Wirtschaftsentwicklung verstärkt", sagte er. "Wirtschaftsprüfer und Standardsetter müssen sich Gedanken über eine Verbesserung der Bewertungsmaßstäbe machen." Zeitler geht es dabei nicht um die Information der Kapitalmärkte, sondern um die Gewinnermittlung als Grundlage für die Ausschüttung an Aktionäre und Manager.

