Derzeit macht es wahrlich keinen Spaß, eine als „Heuschrecke“ geschmähte Beteiligungsgesellschaft in Großbritannien zu sein. Zuerst soll sich die Private-Equity-Branche vor einem Ausschuss des britischen Parlaments rechtfertigen. Und nun wird auch noch die Diskussion über Steuervorteile für Finanzinvestoren immer hitziger.
Arbeitnehmervertreter protestieren gegen den wachsenden Einfluss von Private Equity in der britischen Wirtschaft. Foto: Archiv
mm LONDON. In wenigen Wochen muss sich die Private-Equity-Branche nach massiver Kritik der britischen Gewerkschaften vor einem Ausschuss des britischen Parlaments rechtfertigen. Doch damit nicht genug: Nach einer hitzigen öffentlichen Diskussion deutete der designierte Premierminister Gordon Brown an, dass umstrittene Steuervorteile, von denen die Beteiligungsgesellschaften profitieren, schon bald der Vergangenheit angehören könnten. „Ich werde sicherstellen, dass es auf diesem Gebiet gerecht zugeht“, sagte Brown auf einer Konferenz.
Das Störfeuer, das die schmerzhafte Steuerdiskussion anfachte, kam aus dem Lager der Beteiligungsgesellschaften selbst. In einem Interview gab Nicholas Ferguson, Chairman des Londoner Finanzinvestors SVG Capital, zu Protokoll, dass es eine Schande sei, wenn Manager von Beteiligungsgesellschaften weniger Steuern bezahlten als eine Putzfrau.
Damit meint Ferguson die in Großbritannien besonders günstige Besteuerung von „carried interest“, den Kapitalgewinnen, die die Manager bei ihren Investitionen erwirtschaften. Die Erträge werden nicht zum maximalen Einkommenssteuersatz von 40 Prozent versteuert, sondern nur zu zehn Prozent. Finanzprofis aus der Private-Equity-Szene oder Hedge-Fonds-Manager profitieren von dieser Regelung besonders, da sie in der Regel mit sehr viel eigenem Geld in ihren Fonds engagiert sind.
Außerdem profitieren die Beteiligungsgesellschaften von der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zinszahlungen auf Schulden. Diese Regelung gilt zwar für alle britischen Unternehmen, aber die Finanzinvestoren zählen zu den größten Nutznießern, weil sie ihre Übernahmen in der Regel mit 70 bis 80 Prozent Fremdkapital finanzieren. Einige Experten befürchten, dass die Steuervergünstigungen dazu beitragen, dass die Private-Equity-Gesellschaften ihren Beteiligungen einen zu hohen Schuldenberg aufbürden.
Die Diskussion über die Steuervorteile kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für die Private-Equity-Branche. Jahrelang agierten die öffentlichkeitsscheuen Finanzinvestoren weitgehend im Verborgenen und wickelten im Hintergrund still und effizient ihre Geschäfte ab. Doch seit die Beteiligungsgesellschaften immer größere Summen für den Kauf immer prominenterer Unternehmen investieren, hat sich die Lage radikal geändert.
Umstrittene Fälle wie die Streichung von 3 400 Stellen nach der Übernahme des Automobilclubs AA durch Permira und CVC und der Streit über Löcher in den Pensionskassen bei der Übernahme der Drogeriekette Alliance Boots durch KKR haben die Gewerkschaften auf den Plan gerufen. Die Arbeitnehmervertreter protestieren nicht nur gegen den wachsenden Einfluss von Private Equity in der britischen Wirtschaft. Sie werfen auch ihr ganzes politisches Gewicht in die Waagschale, um die regierende Labour-Partei zu Gesetzesänderungen zu bewegen.

